Maike B. soll 140.000 Euro Sozialleistungen erschwindelt haben

Staatsanwaltschaft klagt an: Mutter setzte Kinder in Rollstuhl und kassierte ab

20. August 2019 - 17:32 Uhr

Krankheiten der Kinder nur vorgetäuscht?

Hat Maike B. aus Ostholstein alle getäuscht? Nach außen galt die Mutter als fürsorglich und hilfsbereit. Vor fünf Jahren drehte ein RTL-Team mit der Frau für einen TV-Beitrag. Damals erzählte sie, dass ihre Kinder an Rheuma, Asthma und der Glasknochenkrankheit litten. Doch jetzt steht die 49-Jährige vor Gericht: Um Sozialleistungen zu erschwindeln, soll sie mit gefälschten Gutachten den Behörden nur vorgespielt haben ihre Kinder seien schwer krank und säßen im Rollstuhl. Die Archiv-Aufnahmen und eine Einschätzung der Staatsanwaltschaft zeigen wir im Video.

Kinder mussten mehrere Stunden im Rollstuhl sitzen

Laut Anklage zwang die Mutter ihre Kinder dazu, mehrere Stunden am Tag im Rollstuhl zu sitzen. Die drei Jungen und das Mädchen hätten dadurch in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung gelitten, so die Staatsanwaltschaft. Insgesamt soll der Schwindel einen Schaden von 140.000 Euro bei Krankenkassen und Sozialleistungsträgern verursacht haben. Zu den Vorwürfen wollte sich die Angeklagte bisher nicht äußern.

Tochter klagt an: Mutter ging es um Geld und Aufmerksamkeit

Neben den vier betroffenen Kindern hat Maike B. eine weitere Tochter, die von dem mutmaßlichen Betrug verschont blieb. Die heute 27-Jährige sagte im Prozess als Zeugin: "Meine Mutter hat den Kindern erzählt, ihre Krankheiten würden sich verschlimmern, wenn sie nicht im Rollstuhl säßen."

Sie selbst habe sich den Forderungen der Mutter widersetzt, als die ihr einreden wollte, sie litte wie ihre Geschwister an Rheuma und der Glasknochenkrankheit. "Ich vermute, es ging meiner Mutter neben dem Geld auch um Aufmerksamkeit", so die Tochter.

Urteil wird Ende Oktober erwartet

Der Rollstuhl-Schwindel flog auf, als der zuständige Kreis Ostholstein Unstimmigkeiten entdeckte und Anzeige erstattete. Das Jugendamt brachte die Kinder in Pflegefamilien unter. Das Urteil gegen Maike B. wird Ende Oktober erwartet.