Staatsanwaltschaft legt Revision gegen Urteil im Fall Lea Sofie ein

Die Kölner Staatsanwaltschaft will, dass Patrick L. als Mörder der kleinen Lea Sofie verurteilt wird.
Die Kölner Staatsanwaltschaft will, dass Patrick L. als Mörder der kleinen Lea Sofie verurteilt wird.
© dpa, Oliver Berg

31. Mai 2013 - 16:01 Uhr

Staatsanwaltschaft will Mordurteil gegen Patrick L.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat beim Landgericht Köln Revision gegen einen Teil des Urteils im Prozess um den Tod der zweijährigen Lea Sofie eingelegt. Das bestätigte ein Sprecher. Es geht um den Schuldspruch gegen den früheren Lebensgefährten von Lea Sofies Mutter. Der 23-Jährige Patrick L. war in der vergangenen Woche wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Mord plädiert und 15 Jahre Haft gefordert.

Dem Mann seien trotz seines brutalen Vorgehens keine niedrigen Beweggründe nachzuweisen, hatte das Gericht entschieden. Auch wenn die Schwere seiner Schuld außer Frage stehe, werde er nicht wegen Mordes verurteilt. Die Richterin betonte, der 23-Jährige habe die Gewalttat nicht begangen, "weil er Freude an Misshandlung hatte, sondern weil ihm die Nerven durchgegangen sind". Er habe Lea Sofie ruhig stellen wollen, die Situation sei eskaliert. Der Kölner habe in einer schwierigen Lage gesteckt - kein Job, Drogen- und Alkoholprobleme. Vor der Tat am Mittag habe er bereits eine halbe Flasche Wodka getrunken.

Ähnlich hatte auch der Verteidiger des Mannes argumentiert. Das anhaltende Weinen des Kindes habe die Nerven von Patrick L. überstrapaziert, hatte der Anwalt die heftigen Schläge auf den Kopf von Lea Sofie erklärt, die letztlich zum Tode führten.

Keine Revision im Fall von Lea Sofies Mutter

Im Fall der Kindesmutter legte die Staatsanwaltschaft keine Revision ein. Gegen die 20-Jährige war wegen Totschlags durch Unterlassen nach Jugendrecht eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren verhängt worden.

Als Franziska M. nach dem Gewaltexzess ihres Freundes nach Hause kam, holte sie für das blutende Kind noch nicht einmal einen Arzt. Sie schaute zu, wie Lea Sofie drei Tage lang in ihrem Bett um ihr Leben kämpfte. Nach der Einschätzung von Medizinern hätte das Mädchen eine Überlebenschance von mehr als 80 Prozent gehabt – wenn sie Hilfe bekommen hätte.