Staatliche Maßnahmen verpuffen – immer mehr Deutschen werden Opfer von Internet-Abzocke

Wer beim Surfen im Netz nicht aufpasst, tappt schnell in teure Abo-Fallen.
Wer beim Surfen im Netz nicht aufpasst, tappt schnell in teure Abo-Fallen.

13. Januar 2015 - 12:07 Uhr

Studie widerlegt Jubel-Meldung des Verbraucherschutzministeriums

Klickt man im Internet unbedacht auf angebliche Spitzenangebote, seriös aussehende Rezeptseiten oder kostenlose Warenproben, kann sich dahinter schnell eine fiese Abo-Falle verstecken. Meldet man sich auf solchen Seiten an, läuft man Gefahr, bald eine Rechnung im Mailpostfach zu erhalten. Staatliche Präventionsmaßnahmen würden das inzwischen verhindern, meldet das Verbraucherschutzministerium. Doch eine Studie zeigt das Gegenteil - die Wirkung verpufft: Neun Millionen Deutsche sind in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Internetbetrug geworden.

Die Erkenntnis, dass im Internet Gefahren lauern, ist nicht neu. Kriminelle versuchen mit immer neuen Maschen, unvorsichtige oder ahnungslose Nutzer um ihr Geld zu bringen. Dabei geht es immer um das Ausfüllen eines Anmeldeformulars. Verzichtet man auf das genaue Lesen der oft ellenlangen AGB, übersieht man so leicht den tückischen Zusatz, dass die Nutzung des gewünschten Dienstes kostet oder mit weiteren Kosten verbunden ist.

Das Bundesministerium für Verbraucherschutz hat deswegen vor zwei Jahren einen 'Warn-Button' eingeführt, der Internet-User auf Kostenfallen deutlich hinweisen soll. Ein kostenpflichtiger Vertrag im Internet komme demnach nur zu Stande, wenn der Verbraucher ausdrücklich bestätigt, sich einer Zahlung zu verpflichten.

Internetkriminalität ist "Massenphänomen"

Laut einem vom Ministerium veröffentlichten Gutachten sind dadurch Verbraucherbeschwerden über Kostenfallen im Internet "signifikant zurückgegangen". "Der Gesetzgeber hat so zahlreichen Abzockmaschen einen Riegel vorgeschoben", sagt Staatssekretär Gerd Billen. Konkrete Zahlen nennt das Verbraucherschutzministerium keine.

Eine repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts 'infas', die 'RTLaktuell.de' vorliegt, zeigt, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Demnach sind neun Millionen Bundesbürger in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Internetbetrug geworden. Auch bei den Abo-Fallen ist eine Steigerung, keine Besserung zu verzeichnen: 5,6 Millionen Bundesbürger geben an, Opfer einer solchen geworden zu sein. Bei einer Vergleichsstudie zwei Jahre zuvor waren es 5,4 Millionen.

Zudem haben drei Millionen Deutsche ihre bezahlte Ware nicht erhalten, 1,4 Millionen sind beim Online-Banking betrogen worden. 79 Prozent der im Internet surfenden Bevölkerung sei schon einmal Opfer eines Internetbetrugs geworden. 'infas' spricht bei der gestiegenen Kriminalität im Netz weiterhin von einem "Massenphänomen".