Kikiriki-Zoff in Rheinland-Pfalz

Wegen dieses Vergehens steht Hahn "Meister Eder" vor Gericht

Frauchen Karin Pfeifer-Rockenfeller muss wegen ihres Hahns "Meister Eder" vor Gericht. Angeblich kräht das Tier zu den falschen Zeiten zu laut.
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19. April 2021 - 8:17 Uhr

Weil der Hahn kräht, regt sich der Nachbar auf

"Kikirikiiii", soll Meister Eder auch mitten in der Nacht schreien. Was lustig klingt, treibt Nachbarn in St. Antoniushof in Rheinland-Pfalz angeblich in den Wahnsinn. Sie haben den Hahn und sein Frauchen verklagt. Die Forderung: Das Tier soll sich an bestimmte Kräh-Zeiten halten. Ende Mai verhandelt das Amtsgericht Bad Sobernheim über den angeblichen Krachmacher. RTL-Reporterin Romy Schiemann hat sich die Lage vor Ort angeschaut – was sie herausgefunden hat, zeigen wir im Video.

Kläger aus St. Antoniushof fordert feste Kräh-Zeiten

Ist Meister Eder wirklich ein Krawall-Hahn? Das jedenfalls behauptet der Kläger. Weil ihm das angebliche Geschrei des Tiers auf die Nerven geht, fordert er, dass bestimmte Kräh-Zeiten eingehalten werden. Konkret: An Werktagen soll der Hahn zwischen 20 Uhr abends und acht Uhr morgens den Schnabel halte. An Sonn- und Feiertagen soll der Hahnenschrei erst ab 9 Uhr in der Früh erlaubt sein.

Frauchen Karin Pfeifer-Rockenfeller (57) kann die Aufregung um ihren lieben Meister Eder nicht verstehen. "Der ist sehr, sehr friedlich", sagt sie im Interview mit RTL. "Es gibt Hähne, die sind aggressiv, aber das ist ein ganz freundlicher, entspannter Hahn." Ausgerechnet dieses freundliche Tier ist den Nachbarn jetzt ein Dorn im Auge. Laut der Landwirtin habe er Phasen, in denen er mitteilungsbedürftig sei, dann würde er krähen. Man höre aber auch die Kühe, die Schafe und die Maschinen – "es ist nicht nur der Meister Eder, der hier Emissionen macht".

Karin Pfeifer-Rockenfeller lebt schon seit 25 Jahren auf dem Anwesen in St. Antoniushof. "Der Meister Eder ist seit sieben Jahren hier", sagt sie. Der Nachbar, der sich nun über den tierischen Schreihals beschwere, sei vor circa zehn Jahren eingezogen. Aber: Schon vor Meister Eder haben laut der Landwirtin Hähne auf ihrem Grundstück gewohnt. Das nebenan gekräht wird, sollte also eigentlich keine Überraschung gewesen sein...

Meister Eder im Fokus: Ist er wirklich ein Krawall-Hahn?
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RTL-Reporterin Romy Schiemann misst die Lautstärke

Doch es kam anders. Der Nachbar habe schon kurz nach seinem Einzug gefordert, Pfeifer-Rockenfeller solle ihr Tier anders unterbringen, damit er seine Ruhe habe. Da sie aber in einer landwirtschaftlichen Aussiedlung lebe, habe sich nicht verpflichtet gefühlt, "den Hahn in eine schalldichte Zelle zu sperren". Dann kam ein Brief vom Anwalt.

Auf RTL-Anfrage wollen sich die Kläger nicht äußern. RTL-Reporterin Romy Schiermann bekommt eine Absage: "Die Nachbarn wollen sich weder vor noch abseits der Kamera mit mir unterhalten. Über die Sprechanlage hat man mir nur gesagt, dass es stimmt: man verlangt definitiv, dass der Hahn nachts eingesperrt wird", erzählt die RTL-Reporterin.

Um uns selbst ein Bild davon zu machen, wie laut Meister Eders Krähen tatsächlich ist, stellt sich unser Team kurz vor Sonnenaufgang an der Grundstücksgrenze des Klägers auf. Wir überprüfen, wie viel Dezibel des Hahnenschreis dort ankommen. Das Gerät zeigt schlussendlich 54,9 Dezibel an. Eine Recherche ergibt: Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Kühlschranks oder eines leisen Gesprächs.

RTL-Reporterin Romy Schiemann hat früh am Morgen gemessen, wie laut Meister Eder wirklich schreit.
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Anwohner sind auf der Seite von Meister Eder

Im Ort treffen wir Anwohnerin Susann Mohr. Auch sie kennt Meister Eder. Ein Problem hat sie mit dem Hahn aber nicht. "Stören? Nicht wirklich. Es gehört zum Landleben. Er macht das, was Hähne machen – er beginnt den Tag und ist glücklich." Auch einer Gruppe Wanderinnen ist sich einig: "Wenn man keine Tiere mag, muss man in der Stadt bleiben." Es sei schade, dass es Menschen gebe, die kein Verständnis hätten.

Petition für natürliches Leben auf dem Land

Mittlerweile gibt es sogar eine Online-Petition mit dem Anliegen: "Ortsübliche Emissionen des Landlebens als kulturelles Erbe schützen". Hier fordern Landwirte, dass das Leben auf dem Land auch ländlich bleibt. "Leider gibt es auch in Deutschland immer mehr Menschen, denen die traditionellen Geräusche auf dem Land fremd geworden sind und so aller Alltagsstress und andere Probleme auf diese Geräusche projiziert werden", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Nur mit klaren rechtlichen Vorgaben kann der dörfliche Charakter und Charme alter Ortskerne sowie ländlicher Gebiete erhalten bleiben!" Insgesamt braucht die Initiative 50.000 Unterschriften – 33.631 hat sie bisher schon bekommen.

Ende Mai wird sich zeigen, wie das Gericht den Streitfall Meister Eder sieht. Dann startet der Prozess um den Hahn und sein Frauchen Karin Pfeifer-Rockenfeller. Sie jedenfalls wird ihr Tier und dessen artgerechte Haltung nicht so schnell aufgeben.

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