Nach Söders Alleingang in Bayern

Jens Spahn plant offenbar Vertrag mit Russland zum Sputnik V-Ankauf

09. April 2021 - 9:02 Uhr

Kann mit dem Ankauf von Sputnik V das Impftempo erhöht werden?

Das Impf-Tempo in Deutschland muss anziehen – darüber sind sich fast alle einig. Jetzt will die Bundesregierung nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters einen Vertrag zwischen Deutschland und Russland für den Ankauf des russischen Impfstoffes Sputnik V aushandeln.

In der Sitzung der EU-Gesundheitsminister habe die EU-Kommission am Mittwoch erklärt, dass sie keinen Vorvertrag zu Sputnik V wie mit den anderen Impfstoffanbietern schließen wolle, erfuhr Reuters aus Teilnehmerkreisen. Inzwischen haben auch diverse Bundesländer ihr Interesse an Sputnik V bekundet.

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Einsatz des Impfstoffes Sputnik V aber nur mit europäischer Zulassung

Bundesminister Jens Spahn (CDU) habe bei dem Treffen angekündigt, dass Deutschland nunmehr bilateral einen Vertrag verhandeln werde, um sich den Impfstoff zu sichern. Zuerst müsse dabei geklärt werden, welche Mengen Russland überhaupt wann liefern könne. In jedem Fall setze Deutschland aber weiterhin auf eine europäische Zulassung, habe Spahn betont. Russland müsse der europäischen Arzneimittelagentur EMA dafür nun die für die Zulassung notwendigen Daten liefern.

Die Bundesregierung dringt seit längerem darauf, dass die EU-Kommission auch über einen möglichen Ankauf dieses Impfstoffes verhandelt. EU-Kommissar Thierry Breton hatte das als nicht notwendig bezeichnet, weil sich die EU bereits genügend Impfstoff von anderen Herstellern gesichert habe. Etliche EU-Staaten haben sich aber bereits auf bilateralem Weg Dosen von Sputnik V gesichert.

Sputnik V: Söder sichert Bayern Millionen Impfdosen

 Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, bei einer Pressekonferenz zur Corona-Impfung in Bayern
Markus Söder sichert sich für Bayern 2,5 Millionen Sputnik-Impfdosen.
© imago images/Sammy Minkoff, Sammy Minkoff via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Noch vor dieser Entscheidung hatte Markus Söder in Bayern Nägel mit Köpfen gemacht und sich für Bayern Millionen Dosen Sputnik V gesichert. Man unterzeichnete einen Vorvertrag mit einer Produktionsfirma im schwäbischen Illertissen. Nach der Zulassung soll der Freistaat dann 2,5 Millionen Impfdosen erhalten.

Der Impfstoff könnte im Laufe des Jahres in dem Werk in Illertissen produziert werden, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Eine entsprechende Absichtserklärung für die Produktion und den Import sei unterzeichnet. "Es handelt sich um einen hochwirksamen Impfstoff", betonte Holetschek.

Der Vorsitzende der ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, äußert sich skeptisch über Bayerns Alleingang beim Bezug des russischen Impfstoffes Sputnik V. Prinzipiell sei es gut, dass man jetzt versuche, sich Impfstoff zu sichern, sagt Mertens im ZDF. "Dass das jetzt wieder als bayerischer Alleingang sozusagen geplant sein sollte, wenn das denn so ist, davon bin ich nicht so sehr überzeugt."

Ganz allein ist Bayern allerdings nicht mehr: Auch Mecklenburg-Vorpommern will offenbar einen Vertrag mit dem Sputnik V-Hersteller schließen.

Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, stellt sich hinter den Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn, einen Vorvertrag für den russischen Impfstoff Sputnik V auszuhandeln. "Es hat meine volle Unterstützung, wenn der Bund Sputnik-Impfstoffdosen für Deutschland sichern will", sagt die SPD-Politikerin der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich habe das Thema in unseren Beratungen auf Bundesebene angesprochen. Voraussetzung für einen Kauf ist natürlich, dass der Impfstoff eine Zulassung erhält." Es komme nicht darauf an, woher ein Impfstoff komme. Entscheidend sei allein, dass er sicher sei und wirke. Jedes Vakzin, das diese Voraussetzung erfülle, helfe, Schritt für Schritt aus der Pandemie zu kommen. "Deshalb muss man sich frühzeitig Optionen sichern", fügt Schwesig hinzu. "Weil bisher nicht klar war, ob der Bund sich eine Option sichert, habe ich unseren Gesundheitsminister schon vor einiger Zeit darum gebeten, eigenständig in Gespräche über Sputnik-Optionen einzutreten. Noch besser wäre natürlich, wenn der Bund das zentral für ganz Deutschland macht."

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat begrüßt, dass der Bund über den Ankauf von Sputnik-V-Impfstoff verhandelt. "Das Angebot für Sputnik V haben viele Bundesländer erhalten. Es ist richtig, wenn der Bund die Verhandlungen übernimmt", sagt der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. Grundvoraussetzungen für den Einsatz seien Sicherheit und die Zulassung durch die EMA. "Russland ist ein großes Land der Wissenschaft und ich habe nicht die geringsten Zweifel, dass die dortige Wissenschaft imstande ist, einen leistungsfähigen Impfstoff herzustellen", fügt Kretschmer hinzu.

Nach der jüngsten Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL ist die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Impfstoff Sputnik gestiegen. Aktuell wollen sich 57 Prozent aller Befragten mit dem Wirkstoff impfen lassen, sobald dieser in der EU und Deutschland zugelassen wird. Anfang Februar waren es noch 45 Prozent. 30 Prozent würden sich nicht damit impfen lassen. Dabei ist die Impfbereitschaft bei den Ostdeutschen (69 Prozent) wesentlich höher als unter den Westdeutschen (55 Prozent).

Wie gut ist der Impfstoff Sputnik? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den russischen Impfstoff können Sie hier nachlesen.