13-Jährige denkt sich Spritzen-Attacke aus

Gelsenkirchen: RTL-Reporter hatte schon vorher Zweifel an der Geschichte

16. November 2019 - 9:53 Uhr

Spritzen-Attacke in Gelsenkirchen: Reporter fragte die Polizei, ob alles nur ausgedacht sein könnte

Erst klang es nach einer unfassbaren Tat, dann kam heraus, dass alles nur erfunden war. Eine 13-Jährige aus Gelsenkirchen hatte behauptet, von einem Unbekannten mit einer Spritze überfallen worden zu sein. Der Mann habe ihr ein Mittel injiziert und "Nummer sechs" gesagt, bevor er flüchtete. Nur Stunden nach der Pressekonferenz der Polizei stellte sich dann heraus, dass an der Geschichte wohl nichts dran war. RTL-Reporter Thomas Schweres hatte schon früher Zweifel. Im Video ist zu sehen, wie er Christopher Grauwinkel von der Polizei darauf anspricht.

Angebliche Spritzen-Attacke: Polizei hielt das Mädchen aus Gelsenkirchen für glaubwürdig

Spritzen-Attacke auf Schülerin wohl nur vorgetäuscht
Eine Schülerin aus Gelsenkirchen behauptete, auf einem Parkplatz von einem Mann mit einer Spritze angegriffen worden zu sein.
© dpa, Roland Weihrauch, rwe cul

"Je länger der Tag gedauert hat und je mehr wir uns mit dem Thema befasst haben, desto unwahrscheinlicher kam mir die Geschichte vor", meint RTL-Reporter Thomas Schweres. "Wir waren heute zur gleichen Uhrzeit an dem Park, zu der es passiert sein sollte, und es war hell und nicht gerade unbelebt. Da kam es auch komisch vor, dass es keine Zeugen gab."

Polizeisprecher Grauwinkel erklärte im RTL-Interview aber: "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass die Tat frei erfunden ist, oder sich in anderer Art und Weise abgespielt hat." Die Polizei hielt die Aussage des Mädchens für glaubhaft. Nur Stunden später müssen die Ermittler dann doch zurückrudern.

13-Jährige hat die Spritzen-Attacke wohl frei erfunden

Pressekonferenz nach angeblichem Angriff mit Spritze
Nach dem angeblichen Angriff mit einer Spritze in Gelsenkirchen informierte die Polizei auf einer Pressekonferenz über den aktuellen Ermittlungsstand. Später kam heraus, dass die Geschichte wohl nur erfunden war.
© dpa, Helge Toben, ve gfh

"Der Gutachter hat bei den Untersuchungen festgestellt, dass sich die 13-Jährige die Verletzungen selbst zugefügt hat", hieß es in einer Mitteilung. Man habe außerdem keine fremde Substanz im Körper des Mädchens finden können. Die 13-Jährige sei daraufhin erneut befragt worden. Dabei flog der Schwindel dann offenbar auf. "Die Polizei kommt zu dem Ergebnis, dass die Schülerin den Vorfall vorgetäuscht hat", erklärten die Ermittler.

Warum die 13-Jährige sich die Attacke ausgedacht hat, ist völlig unklar. Das Mädchen klingelte sogar bei einem fremden Haus, und bat um Hilfe. Der Anwohner brachte die Schülerin dann ins Krankenhaus. "Wenn man sich mal überlegt, wieviel Polizei-Kräfte diese Aktion jetzt gebunden hat, da denkt man schon drüber nach, die hätte man in einer Stadt wie Gelsenkirchen sicher heute besser gebrauchen können", meint der Reporter. Strafrechtliche Konsequenzen hat das Mädchen jetzt allerdings nicht zu befürchten. Mit 13 Jahren ist man in Deutschland noch nicht strafmündig.