Spotify vor dem Börsengang: Wird Musik hören teurer? Verschwindet die Gratis-Version?

Spotify geht an die Börse: Was bedeutet das für die Nutzer?
Spotify geht an die Börse: Was bedeutet das für die Nutzer?
© REUTERS, Christian Hartmann, FW1/MP/HD

02. April 2018 - 19:57 Uhr

Spotify macht dicke Verluste - das muss sich ändern

Wird Musik hören bei Spotify bald teurer? Verschwindet die Gratis-Version? Beides ist denkbar. Denn das Unternehmen geht an die Börse - und macht gerade noch dicke Verluste. Das muss sich ändern, denn der Druck durch einen solchen Börsengang steigt. Darunter leiden könnten am Ende die Nutzer.

Unwahrscheinlich, dass Künstler weniger Geld bekommen

Spotify müsse dringend bessere Zahlen liefern, erklärt Andreas Dörnfelder, Finanzexperte vom Wirtschaftsportal 'Orange by Handelsblatt'. "Spotify macht noch keinen Gewinn und steckt in den roten Zahlen. Das muss sich ändern. Denn nach einem Börsengang stehen Unternehmen unter starker Beobachtung."

Dem Unternehmen bleiben zwei Möglichkeiten: die Ausgaben senken oder die Einnahmen erhöhen. "Die Ausgaben senken könnte zum Beispiel bedeuten, den Künstlern weniger Geld zu bezahlen", sagt Dörnfelder. Nach den zahlreichen Debatten um die schlechte Bezahlung von Künstlern bei Streamingdiensten ist das wohl eher unwahrscheinlich. Also bleibt nur die Variante: Einnahmen erhöhen.

Mehr Menschen nutzen die Free-Version

"Dass es deswegen jetzt kurzfristig höhere Preise gibt, halte ich für unwahrscheinlich. Denn es gibt starke Wettbewerber wie 'Apple Music' oder 'Deezer'. Wenn Spotify also die Preise erhöht, könnten Nutzer abwandern", erklärt der Finanzexperte.​ Laut den jüngsten Zahlen nutzen rund 95 Millionen Menschen Spotify in der werbefinanzierten Free-Version, 73 Millionen zahlen die 9,99 Euro im Monat für werbefreien Musikgenuss.

Die Strategie von Spotify ist jetzt: expandieren. Asien und Afrika stünden da besonders im Fokus, so Dörnfelder. Um dort aber Kunden zu gewinnen, sind auch wieder Investments nötig. Denn nur durch Werbung lernen neue Nutzer das Angebot kennen.

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Höhere Preise führen wohl eher dazu, dass Nutzer zu anderen Anbietern wechseln

Die kostenlose Version abzuschaffen wäre laut Dörnfelder auch keine gute Idee. Denn mehr als die Hälfte der Premium-Nutzer hatte vorher einen Free-Account, "der ist also ein wichtiges Instrument, um zahlende Kunden zu gewinnen." In der kostenlosen Version von Spotify läuft beispielsweise Werbung und die mobile Nutzung ist stark eingeschränkt.

Wäre also mehr Werbung ein Weg, um Spotify zu besseren Zahlen zu führen? "Kann schon sein. Allerdings macht Werbung nur zehn Prozent des Umsatzes aus und andererseits wären die Kunden dann wohl noch genervter." Dass die dann im Anschluss ein Premium-Abo kaufen: unwahrscheinlich.

Fest steht: Spotify muss bald Gewinne abliefern. Kurzfristig scheint das kaum möglich. Höhere Preise oder das Abschaffen der Gratis-Version könnten wohl eher dazu führen, dass Nutzer zu anderen Streamingdiensten wechseln.

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