"Spirit des Gardens ins Wohnzimmer bringen"

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Stefan Fuckert will die Atmosphäre in New York aufsaugen und in die deutschen Wohnzimmer bringen.

Der Schauplatz für ein Debüt als Box-Kommentator könnte nicht spektakulärer sein. Im legendären Madison Square Garden, dem Mekka des Boxens, wird Stefan Fuckert beim Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Bryant Jennings erstmals am Ringmikrofon sitzen. Der 30-Jährige will den "Spirit der Arena in die deutschen Wohnzimmer tragen", wie er im RTL-Interview erzählt.

Stefan, welchen Bezug haben Sie zum Boxsport?

Meine Box-Begeisterung ist eng mit Henry Maske und den RTL-Übertragungen Mitte der 90er Jahre verknüpft. Es war für mich immer ein besonderes Highlight, bei den groß inszenierten Kämpfen lange aufbleiben zu dürfen. Jetzt schließt sich ein Kreis für mich mit der Gelegenheit, die Kämpfe des aktuell besten Schwergewichtsboxers kommentieren zu dürfen. Ich freue mich riesig auf die Aufgabe im Madison Square Garden und möchte den Zuschauern zu dieser frühen Stunde auch den besonderen Spirit der Arena in die Wohnzimmer vermitteln.

Nötigt es Ihnen einen besonderen Respekt ab, ausgerechnet in diesem Tempel Madison Square Garden zu debütieren?

Eigentlich nicht, ich kenne das ja ein wenig vom Champions-League-Finale 2013 im Londoner Wembley Stadion, als ich dort das Spiel Bayern München gegen Borussia Dortmund über drei Stunden mit einem Kollegen fürs Radio kommentieren durfte. Wembley ist ja gewissermaßen auch so ein Tempel und das hat mich damals noch mehr motiviert. Diese Situation und die Atmosphäre haben mich eher aufgepusht als ehrfürchtig erstarren lassen. Ich denke, so ähnlich wird es mir auch im Garden ergehen.

Verspüren Sie Lampenfieber?

Eigentlich nicht, eher verspüre ich pure Vorfreude. Natürlich macht man sich im Vorfeld so seine Gedanken, aber ich glaube, dass ich ganz aufs Geschehen konzentriert sein werde, sobald es losgeht.

Haben Sie ein Vorbild für die Kommentierung von Boxkämpfen?

Ich sage bewusst: Nein. Das verleitet immer dazu, jemanden zu imitieren und das möchte ich nicht. Ich lasse mich gerne inspirieren oder ermutigen, gewisse Schritte zu gehen. Aber ich mache vieles aus dem Bauch heraus und bin mir da immer sehr treu geblieben. Mein Vorgänger Tobis Drews hat mir immer gut gefallen, weil er eine gute Ansprache hatte, sich auch zurückzunehmen konnte und auch in hektischen Momenten eine ruhige Stimme hatte. Auch ich habe mir vorgenommen, die Zuschauer am frühen Sonntagmorgen nicht mit allzu viel lautem Getöse verrückt zu machen.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Premiere vor?

Ich habe mir natürlich viele Kämpfe von Wladimir Klitschko und Bryant Jennings angeschaut und studiere das Regelwerk sehr genau. Ich bin auch viel in den sozialen Medien unterwegs und schaue, was die beiden und ihre Managements in Instagram und Twitter posten. Und dann spreche ich viel mit Kollegen und anderen Experten, die mir ihre Erfahrungen mitgeben. Andreas von Thien, mein Chef im Info-Network-Sport-Pool, unterstützt mich wunderbar und hat mir viele wertvolle Tipps gegeben. Jetzt, in der Kampfwoche selbst, sauge ich in New York alles auf, was ich mitnehmen kann.

Ihre Prognose für den anstehenden WM-Kampf?

Ich würde mir wünschen, dass Jennings den scheinbar übermächtigen Wladimir Klitschko richtig fordern und sein ganzes Können abrufen kann. Am Ende, so denke ich, wird er durch technischen Knockout im letzten Kampfdrittel verlieren. Allerdings ist Bryant Jennings einfach extrem unerfahren und wenn er daran scheitert, dann kann dieser Kampf auch ganz schnell zu Ende sein.