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Spektakulärer Gefangenenaustausch ist über die Bühne

Spektakulärer Gefangenenaustausch ist über die Bühne

Schalit ist frei und gibt sich sehr versöhnlich

Es ist ein spektakuläres Zeichen im festgefahrenen Nahost-Friedensprozess. In Israel ist ein mit der radikal-islamischen Hamas vereinbarter Gefangenenaustausch friedlich und wie geplant über die Bühne gegangen.

Gefangenenaustausch im Nahen Osten
Diese palästinensischen Gefangenen freuen sich über ihre Freilassung.
dpa, Khaled Elfiqi

Der vor fünf Jahren entführte israelische Soldat Gilad Schalit ist von der Hamas freigelassen worden und mittlerweile über Ägypten den israelischen Behörden übergeben worden.

"Willkommen in Israel, Gilad. Wie gut, dass du zurückgekommen bist", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Regierungschef wandte sich dann an die Eltern: "Ich habe euch euer Kind zurückgebracht."

Das Ehepaar Schalit hatte lange Zeit in einem Protestzelt vor dem Amtssitz Netanjahus verbracht, um Druck auf den Regierungschef zu machen. Und weil die Regierung den Preis für die Freilassung ihres Sohnes als zu hoch bezeichnet hatte, organisierte die Familie eine wirksame Öffentlichkeitskampagne.

Schalit gab zuvor im ägyptischen Fernsehen schon ein erstes Interview. Er erklärte, er sei bei guter Gesundheit. Vor einer Woche habe er erfahren, dass er freigelassen werden solle. "Ich glaube, die Ägypter waren in ihrer Vermittlung erfolgreich, weil sie sowohl zur Hamas als auch zu Israel gute Beziehungen haben", sagte er.

Auf die Frage der Reporterin, auf was er sich am meisten freue, antwortete er: "Natürlich habe ich meine Familie am meisten vermisst, aber auch meine Freunde." Er habe Menschen vermisst, mit denen er über seine Zeit in Gefangenschaft habe sprechen können.

Schalit äußerte die Hoffnung, dass die Vereinbarung über den Gefangenenaustausch helfen werde, Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu bringen. Es würde ihn mit großer Freude erfüllen, wenn auch die rund 4.000 palästinensischen Insassen in israelischen Gefängnissen frei kämen und zurück zu ihren Familien könnten. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit soll sich der junge Mann jetzt in seinem idyllischen Heimatort Mizpe Hila erholen.

Schalit war fünf Jahre in Hamas-Gewalt

Die Israelis haben alle 477 palästinensischen Gefangenen (darunter 27 Frauen) an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben. Insgesamt wird Israel der Vereinbarung zufolge für Schalit schrittweise mehr als 1.000 von 6.000 palästinensischen Gefangenen freilassen. Die jetzt Freigelassenen bilden die erste Phase. Die zweite Phase soll offiziellen Angaben zufolge in zwei Monaten abgewickelt werden. Dann sollen die restlichen 550 Palästinenser freigelassen werden.

Fraglich bleibt, ob die Operation den festgefahrenen Friedensverhandlungen einen positiven Impuls geben kann. Nach 13 Monaten Eiszeit wollen sich Israel und die Palästinenser am 26. Oktober erstmals wieder zu indirekten Friedensgesprächen mit Hilfe eines Vermittlers treffen.

Hunderte palästinensischer Häftlinge sind nach ihrer Freilassung durch Israel jubelnd in den Palästinensergebieten begrüßt worden. In Ramallah küsste Palästinenserpräsident Mahmud Abbas freigelassene Gefangene, die zu seinem Amtssitz gebracht wurden. Auch im Gazastreifen feierten Tausende Menschen die Ankunft von Häftlingen, die Israel im Tausch gegen den 2006 entführten Soldaten Gilad Schalit freigelassen hat. Etwa 40 Gefangene sollen über Ägypten in Drittländer abgeschoben werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich zufrieden über den gelungenen Austausch: "Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Israel und Ägypten in dieser Angelegenheit lässt hoffen, dass die jüngsten Spannungen zwischen den beiden Ländern wieder gutnachbarschaftlichen Beziehungen Platz machen", erklärte die CDU-Vorsitzende.

Der 25-jährige Schalit war 2006 im Grenzgebiet zum Gazastreifen mit seiner Panzerbesatzung in einen Hinterhalt der Hamas geraten und gefangengenommen worden. Zwei seiner Kameraden wurden getötet.

Welche Folgen der Austausch haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Hamas und Israel trauen sich gegenseitig nicht über den Weg. Immerhin ist es der erste Gefangenenaustausch seit 26 Jahren, und die Hamas verliert mit der Freilassung Schalits ein großes Druckmittel. Allerdings ist der Austausch von 1.000 gegen einen auch ein hoher Preis für Israel. Dort befürchtet man, dass bald wieder ein Soldat gefangen genommen werden könnte.

Auf palästinensischer Seite wird der Tausch als Sieg gewertet. In den Palästinensergebieten, vor allem im Gazastreifen, werden große Feiern zur 'Rückkehr der Helden' vorbereitet. Für viele palästinensische Familien geht ein Traum in Erfüllung, sie warten zum Teil seit 15 Jahren auf die Freilassung ihrer Angehörigen. In Israel gelten die Gefangenen meist schlicht als Terroristen.

Doch es steckt auch viel Hoffnung in dem Austausch: "Hinter diesen Dramen und ihrer Choreografie versteckt sich immer auch eine Kontaktaufnahme, ein Handel, ein Kompromiss zwischen den beiden Kriegsparteien. Es ist das Zeichen, dass hinter politischem, ideologischem und ethnischem Hass ein Schimmer von Menschlichkeit aufzuflammen beginnt", schreibt zum Beispiel die linksliberale römische Tageszeitung 'La Repubblica'.