Die Sozialdemokraten wollen raus aus der Krise

SPD sucht die Super-Führung – jeder kann sich bewerben!

© dpa, Wolfgang Kumm

24. Juni 2019 - 17:56 Uhr

Von Nadine Schullerus aus dem RTL-Hauptstadtstudio

Die SPD sucht eine neue Führung und will die Mitglieder beteiligen. Auch eine Doppelspitze soll möglich sein. Bewerben kann sich jeder, der genügend Unterstützung mitbringt. Der Schritt ist nach dem Debakel um Andrea Nahles richtig und wichtig.

Mission: Rettung der Sozialdemokratie

Parteivorsitzender der SPD war mal das "schönste Amt neben Papst". Gesagt hat das der ehemalige Parteichef Franz Müntefering. Diese Zeiten sind zumindest erstmal vorbei. Heute ist die Jobbeschreibung ziemlich anspruchsvoll. "Herausfordernd", hat es Manuela Schwesig genannt. Mission: Rettung der Sozialdemokratie. Aber bitte ohne die letzten Stammwähler zu verprellen. Unverbraucht soll die neue Führung sein – aber nicht unerfahren. Die SPD soll für die jungen wieder attraktiv werden, ohne die Älteren zu verschrecken.

Bewerben kann sich nun jeder, der sich den Job zutraut. Teams aus Mann und Frau können antreten und Einzelpersonen. Voraussetzung ist, ausreichend Unterstützung. Von einem Landesverband zum Beispiel. Bewerbungsschluss ist der 1. September. Die Bewerber stellen sich dann auf so genannten Regionalkonferenzen vor und am Ende entscheiden die Mitglieder. Gut so! Alles andere wäre unglaubwürdig gewesen, zumindest dann, wenn es die Partei diesmal mit der oft bemühten Floskel "es darf kein Weiter so geben", ernst meint. Kein "Geklüngel" in Hinterzimmern, kein Proporz, keine Taktiererei - jetzt entscheidet die Basis! Der ausgelaugten SPD dürfte das gut tun, auch, weil es die Basis motiviert mitzumachen und mitzugestalten.

Die SPD kommt dem RTL/ntv-Trendbarometer zufolge jetzt nur noch auf 11 Prozent, dem niedrigsten in dieser Umfrage bisher gemessenen Wert.

Im Video unten beschreibt RTL-Reporterin Heike Boese, wie es bei den Sozialdemokraten nun weitergeht.

Zwei Probleme bleiben der SPD erhalten

​Es ist auch die Chance in der Partei wieder für mehr Zusammenhalt zu sorgen. Danach dürften sich nach den letzten Wochen viele in der Partei sehnen. Der Umgang mit Andrea Nahles, dass man sie regelrecht weggemobbt hat, hat viele schockiert, nicht nur in der SPD.

Und trotzdem: Zwei Probleme bleiben der Partei erhalten. Der Inhalt. Es muss wieder klar sein, wofür die SPD steht, wofür sie gewählt werden will. Und: Die Entscheidung, ob sie in der Großen Koalition bleibt oder nicht, auch die steht noch bevor. Es dürfte also eine Weile dauern, bis das Amt des Parteivorsitzenden wieder mit dem des Papstes verglichen wird.