Spar-Schock: Air-Berlin streicht Flüge

Erfurt wird als Standort ganz aufgegeben

Es ist ein Schock für deutsche Fluggäste: Air-Berlin kündigt große Sparmaßnahmen an und streicht damit zahlreiche Flugverbindungen überall in Deutschland. Opfer der Kürzungen sind dabei vor allem Regionalflughäfen. Viele Verbindungen fallen weg und nehmen Urlaubern damit eine große Reiseflexibilität.

Air-Berlin streicht viele Flugstrecken
Die Fluggesellschaft Air-Berlin will zahlreiche Flugverbindungen von deutschen Flughäfen streichen.
dpa, Soeren Stache

Die roten Zahlen aus dem zweiten Jahresquartal nennt die Airline als Grund für den krassen Schritt. Der hohen Ölpreis, die neue Luftverkehrssteuer und die Unruhen in Nordafrika seien dafür verantwortlich. Es würden aber Verbindungen gestrichen, die keine Kostendeckung mehr erbringen und die "gleichzeitig strategisch nicht mehr bedeutend" seien, so der Quartalsbericht der Fluggesellschaft.

Die Fluggäste wird das wenig trösten. Die "strategisch nicht mehr bedeutenden“ Flughäfen decken meist zusätzliche Regionen ab. Die Kürzungen treffen dabei sämtliche kleinere und mittlere deutsche Flughäfen: So will Air-Berlin ihre Flüge von Münster/Osnabrück nach London, Wien und Sylt ebenso stoppen, wie die Verbindungen von Köln/Bonn nach Valencia und zu verschiedenen Zielen in Marokko. Außerdem soll im Winter von Köln aus nicht mehr direkt nach Innsbruck, Neapel und Palermo geflogen werden.

Weitere Streichung: Die Strecke Hannover - London. Karlsruhe, Dresden und Basel verlieren ab November über den Winter ihre Direktverbindungen nach Palma de Mallorca; und von Paderborn aus geht es nicht mehr nach London und Manchester. Wer nach Malaga und Alicante möchte, muss in Zukunft bei der Airberlin auch genau suchen: Diese Ziele werden aus dem Flug-Programm von zahlreichen Flughäfen gekürzt oder – wie in Klagenfurt – mindestens über den Winter ganz gestrichen. Erfurt wird in Zukunft von Airberlin sogar überhaupt nicht mehr angeflogen.

Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold tritt zurück

Neben den Kürzungen an den kleineren Flughäfen, sollen auch andere Ziele wie nach Nordafrika in Zukunft weniger oft angeflogen werden. Gleichzeitig werde die Flotte verkleinert. Gegenüber bisherigen Planungen will die Airline ihre Kapazitäten insgesamt um fünf Prozent reduzieren. Damit würden 2012 etwa 16.000 Flüge und rund 2,2 Millionen Sitzplätze wegfallen.

Als weiteren Grund für die extremen Sparpläne sagte Air-Berlin, man wolle sich noch mehr auf stark frequentierte Strecken und die vier europäischen Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren. Trotz der extremen Sparmaßnahmen kann aber in diesem Jahr nicht mehr mit schwarzen Zahlen für die Airline gerechnet werden.

Zudem gab Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold bekannt er werde zum 1. September zurücktreten. Übergangsweise soll Hartmut Mehdorn das Unternehmen führen. Der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn soll Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft dann aus den roten Zahlen steuern.