Spannende Woche im NSU-Prozess: Sagt Beate Zschäpe endlich aus?

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe: Zehn rechtsterroristische Morde werden dem NSU vorgeworfen
Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe: Zehn rechtsterroristische Morde werden dem NSU vorgeworfen
© dpa, Peter Kneffel

08. Dezember 2015 - 12:54 Uhr

Beate Zschäpe lässt ihren Anwalt vortragen

Beate Zschäpe will endlich ihr Schweigen brechen - das hatte sie schon Anfang November vor, aber ein Befangenheitsantrag und ein kranker Richter kamen dazwischen. Diese Woche soll es jetzt endlich soweit sein. Zschäpe will aber veraussichtlich nicht selber sprechen. Stattdessen wird ihr Anwalt eine mindestens einstündige Aussage seiner Mandantin vortragen. Ob Zschäpe Rückfragen überhaupt beantwortet und ob sie das persönlich tun würde, ist noch unklar.

Üblicherweise hätten auch die Bundesanwaltschaft, die Anwälte der NSU-Opfer und die vier Mitangeklagten in dem Prozess die Möglichkeit Fragen zu stellen. Die Aussage verzögerte sich, weil der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte Ralf Wohlleben einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht stellte. Außerdem forderten die drei ursprünglichen Verteidiger Zschäpes, Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm, erneut von ihren Pflichtmandaten befreit zu werden. Das Gericht unterbrach daraufhin die Verhandlung für mehrere Tage. Vergangene Woche fielen die geplanten Sitzungstage zudem wegen Krankheit eines Richters aus.

Mittlerweile sind Befangenheits- und Entpflichtungsanträge vom Tisch. Neue Hinderungsgründe für Zschäpes Aussage sind nicht absehbar. Geplant sind in der kommenden Woche wie üblich drei Verhandlungstage - am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Grasel sagt, es liege am Gericht, wann er für Zschäpes Aussage das Wort erhalte. Spätestens am Mittwoch sollte es soweit sein.

Wird Zschäpe Details der Morde offenlegen?

Beate Zschäpe , Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos
Das NSU-Trio: Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos
© dpa, Frank Doebert

Was Zschäpe preisgibt, ist noch vollkommen offen. Sie und Grasels Kanzlei sollen seit Monaten an der Aussage arbeiten. Zu hören ist auch, dass diese seit Wochen fertiggestellt und schriftlich fixiert sein soll. Über den Inhalt gibt es aber nur sehr vage und unbestätigte Informationen. Die selben Quellen hatten vorher allerdings schon zutreffend vorausgesagt, Zschäpe werde ihr Schweigen brechen.

Es heißt Zschäpe wird aussagen, wo sie sich in den vier Tagen zwischen dem Auffliegen des NSU und ihrer Festnahme aufgehalten hat. Sie könnte auch Details zu den Morden an neun Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und der Polizistin Michele Kiesewetter enthüllen. Besonders heikel wäre, wenn Zschäpe sich zu Verstrickungen der Geheimdienste äußern würde.

Die Folgen der Zschäpe-Aussage für den weiteren Verlauf des Prozesses sind noch nicht abzusehen. Das Gericht hat sämtliche Anklagepunkte im Wesentlichen abgearbeitet. Die Morde und Anschläge gelten als mehr oder weniger aufgeklärt. Zschäpe könnte allerdings bisherige Erkenntnisse erschüttern, dann müsste das Gericht Teile der Beweisaufnahme wiederholen. Der Prozess könnte sich dann noch längere Zeit hinziehen, zumal ein weiterer Angeklagter jetzt ebenfalls sein Schweigen brechen will: der mutmaßliche Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben.

Die Anklage legt dem NSU zehn rechtsterroristische Morde von 2000 bis 2007 zur Last sowie zwei Sprengstoffanschläge.