Umstrittene Austragung

Spanische Fans haben keinen Bock auf Supercopa in Saudi-Arabien

December 22, 2019, Madrid, MADRID, SPAIN: Toni Kroos of Real Madrid laments during the spanish league, La Liga, footbal
December 22, 2019, Madrid, MADRID, SPAIN: Toni Kroos of Real Madrid laments during the spanish league, La Liga, footbal
© imago images/ZUMA Press, AFP7 via www.imago-images.de, www.imago-images.de

08. Januar 2020 - 8:36 Uhr

Spanische Supercopa steigt in Saudi-Arabien

Geld regiert die Welt: Der reformierte Supercup der spanischen Liga findet in diesem Jahr erstmals in Saudi-Arabien statt. Bei den Fans aus Spanien findet der Wüsten-Cup aber absolut keinen Anklang. Eines der teilnehmenden Top-Teams hat nicht einmal 30 Tickets verkauft.

Im Finale könnte es den "Clasico" geben

Real Madrid vs. FC Valencia, FC Barcelona vs. Atlético Madrid – große Namen, traditionsreiche Duelle. Die Supercopa, die am Mittwoch mit dem ersten Halbfinale beginnt, sollte beim gemeinen Fußball-Fan das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Einziges Problem: Das Mini-Turnier der vier Teams steigt in Saudi-Arabien.

Das Königreich ist nicht unbedingt für den hehren Umgang mit Menschenrechten bekannt – im Gegenteil. Amnesty International kritisierte im November das wahhabitische (extreme Auslegung des Islam, d. Red.) Regime für seine "abscheuliche Menschrechtsbilanz". Vor anderthalb Jahren verstörte der Fall um den ermordeten Regimekritiker und Journalisten Jamal Kashoggi.

In jüngster Zeit versucht das arabische Land ähnlich wie Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate durch glitzernde Sport-Events sein Image aufzupolieren. Die Rallye Dakar und das heiß erwartete zweite Schwergewichts-Duell zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz hielten die Saudis als Aushängeschild empor.

Keiner hat Bock auf die Reise nach Dschidda

Nun also die Supercopa. Die spanischen Fans des Quartetts zeigen jedoch so gut wie kein Interesse an dem Event. Allein schon die Anreise über 6.500 km stellt ein Hindernis dar. Wie die spanische Zeitung "El Mundo" berichtet, wurden nur neun Prozent der Club-Kontigente verkauft.

12.000 Tickets gingen an die vier Teams. Atlético setzte 50 Karten für das Halbfinale ab, Valencia sogar nur 26. Fast schon als Kassenschlager gehen die Absatzzahlen von Barca (300) und Real (700) durch. Vermutlich handelt sich bei den Abnehmern aber um Fans aus der Region.

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Deal: 120 Millionen Euro für drei Jahre

Wenig Fans, dafür umso mehr Scheine warten auf die Clubs: Barcelona und Real erhalten allein als Antrittsgeld mehr als 6 Millionen Euro (Valencia und Atlético immerhin drei). Im Falle des Finaleinzugs könnten die beiden Topclubs innerhalb weniger Tage 10 Millionen Euro einsacken.

Die spanische Liga erhält für den Dreijahresvertrag mit Saudi-Arabien laut spanischen Medienberichten stattliche 120 Millionen Euro. Die Liga verteidigt sich und verspricht, dass die Einnahmen an untere Ligen und die Frauenliga wandern. Zudem wedelte der Verband mit der Aussicht, dass Frauen einen kostenlosen Zugang zum King-Abdullah-Sports-City-Stadium in Dschidda erhalten würden. Im Januar 2018 durften Frauen erstmals ein Fußballstadion in Saudi-Arabien besuchen.

Los geht's am Mittwoch

Im Halbfinale der Supercopa trifft Real mit Nationalspieler Toni Kroos am Mittwoch (20 Uhr) auf den FC Valencia. Der zweite Teilnehmer des Finals (12. Januar) wird in der Partie zwischen Titelverteidiger und Supercopa-Rekordsieger FC Barcelona und Atletico Madrid am Donnerstag (20 Uhr) ermittelt. Bei dem Turnier treten die Pokalfinalisten und die zwei besten Teams der Liga an, die nicht im Finale standen.