Schacht-Drama von Málaga

Jetzt ermittelt ein Gericht gegen Verantwortliche: Warum fiel Julen in die Tiefe?

© dpa, Daniel Pérez, flm

23. Januar 2019 - 17:36 Uhr

Justiz beschäftigt sich mit Fall Julen

Noch immer arbeiten hunderte Helfer Tag und Nacht unermüdlich, um den seit dem 13. Januar vermissten Julen zu finden. Nach bisherigen Erkenntnissen fiel der zweijährige Junge in einen mehr als 100 Meter tiefen Erkundungsschacht. Schon jetzt ist klar: Das Verschwinden von Julen wird zum Justizfall. Ein Amtsgericht aus Málaga hat Ermittlungen eingeleitet, berichtet die spanische Zeitung "El Pais". Auf Anfrage von RTL wollte das Gericht die Informationen jedoch zunächst nicht bestätigen.

Wurde die Bohrstelle verändert?

Das Gericht möchte wissen: Wie konnte der Junge in den Schacht fallen? Und warum war die Bohrstelle nicht gesichert und abgedeckt, so wie es Vorschrift ist? Ausgangspunkt der Ermittlungen sind erste Befragungen der Guardia Civil, einer spanischen Polizeieinheit. Im Fokus der Beamten standen bislang drei Parteien: die Eltern des Jungen, der Besitzer des Grundstücks, auf dem sich der Vorfall ereignete - und Antonio Sánchez, der Verantwortliche der Baufirma, die die Bohrung durchführte.

Sánchez wies als Verantwortlicher der Bohrfirma Triben Perforaciones jegliche Schuld am Unglück des Jungen von sich: "Ich habe ihn (den Brunnen) abgedeckt. Das Gelände wurde danach verändert und abgesenkt", so Sánchez gegenüber "El País". Demnach müsste eine andere Person den Schacht freigelegt haben. Die durchführende Firma bohrte den 110 Meter tiefen Brunnen mit dem Ziel, unterirdisches Wasser zu finden.

Bohrung von Erkundungsschacht war illegal

Auch wenn Sánchez' Mitarbeiter den Brunnen ausreichend gesichert haben, dürften Probleme auf das Unternehmen zukommen. Denn die Bohrung des Schachtes war an sich illegal. Laut andalusischer Regionalregierung fehlten die nötigen Genehmigungen für die Erkundungsbohrung. Und auch im Gemeindeamt hatte man keinerlei Kenntnis von der Bohrung, die nur mit entsprechender Lizenz hätte durchgeführt werden dürfen. Aktuell beschuldigen sich Grundstücksbesitzer und Baufirma gegenseitig, die nötigen Genehmigungen nicht eingeholt zu haben.

José Roselló, Julens Vater, erklärte den Medien gegenüber, er habe am Tag des Unglücks auf dem Gelände eine Paella zubereitet, als sein Sohn beim Umherlaufen plötzlich in das Loch gefallen sei. Er habe das Kind noch weinen gehört und anschließend den Notruf alarmiert - und damit die bis heute andauernde Rettungsaktion in Gang gesetzt. Das Grundstück mit Finca, das im Außenbereich des Ortes Totalán in der Provinz Málaga liegt, gehöre dem Partner eines Familienmitgliedes.

Aktuell sammelt das Gericht noch alle Informationen, die Helfer und Mitglieder der Guardia Civil bisher einholen konnten. Dann entscheidet sich, welche weiteren Schritte eingeleitet werden. Bis dahin gehen die Bemühungen der Helfer vor Ort weiter. Auch wenn die Überlebenschance für Julen mit jedem Tag schwindet, wollen sie die Hoffnung nicht aufgeben, den Jungen lebend zu bergen.