Spanien: Vettel Sechster beim Sensationssieg von Maldonado

13. November 2012 - 16:14 Uhr

Fünftes Rennen, fünfter Sieger - die Formel 1 geht auch beim Europa-Auftakt spannend weiter. Und mit der nächsten Sensation: Pastor Maldonado feierte beim Großen Preis von Spanien überraschend seinen ersten Formel-1-Triumph und bescherte seinem Williams-Team den ersten Sieg nach fast acht Jahren.

Pastor Maldonado, Williams
Pastor Maldonado auf dem Weg zu seinem ersten Sieg.
© REUTERS, ALBERT GEA

"Mein erstes Podium, mein erster Sieg. Jeder kann sich vorstellen, wie ich mich jetzt fühle", sagte Maldonado, der sich als erster Venezolaner in die Siegerliste der Formel-1-Geschichte einschrieb. "Es war ein hartes Rennen, aber ich konnte Alonso hinter mir halten." Ferrari-Star Fernando Alonso musste sich bei seinem Heim-Grand-Prix am Ende nur knapp geschlagen geben, behauptete sich aber klar vor den beiden Lotus-Piloten Kimi Räikkönen und Romain Grosjean.

Bester deutscher Fahrer war Red-Buill-Pilot Sebastian Vettel, der zwei Runden vor Schluss noch Mercedes-Mann Nico Rosberg vom 6. Platz verdrängte und damit an der Spitze der WM-Wertung blieb, punktgleich (61) mit Alonso. Auch Nico Hülkenberg holte im Force India als 10. noch einen WM-Zähler. Dagegen erlebte Michael Schumacher im fünften Saison-Rennen den dritten Ausfall. Timo Glock beendete das Rennen im Marussia als 18.

Für Maldonado, der nach der der Strafversetzung von McLaren-Pilot Lewis Hamilton erstmals in seiner Formel-1-Karriere von der Pole Position starten durfte, begann das Rennen alles andere als gut. Unter dem Jubel der Zuschauer beschleunigte Alonso von Startplatz 2 den Pole-Mann aus Venezuela vor der ersten Kurve aus. Dahinter katapultierte sich Rosberg vorbei an Grosjean auf Platz 4 hinter Räikkönen.

Schumacher für Kollision mit Senna bestraft

Schumacher machte im zweiten Silberpfeil von Position 8 ebenfalls zwei Plätze gut und ließ dabei den vor ihm gestarteten Vettel hinter sich. Doch in der 13. von 66 Runden musste der Rekordchampion an gleicher Stelle seine Hoffnungen auf WM-Punkte erneut begraben: Beim Anbremsen vor der ersten Kurve krachte der Altmeister ins Heck des vor ihm platzierten Bruno Senna.

"Idiot", schimpfte Schumacher via Boxenfunk und gab dem Neffen der Formel-1-Legende Ayrton Senna anschließend die Alleinschuld für den Vorfall, nach dem auch Senna seinen beschädigten Williams abstellen musste. Die Rennkommissare sahen das jedoch anders und bestraften den Altmeister nach einer Anhörung wegen Verursachung einer Kollision. Schumacher wird beim nächsten Grand Prix in Monaco in der Startaufstellung um fünf Plätze nach hinten versetzt.

Auch bei Rosberg lief es nach dem guten Start alles andere als rund: In Umlauf 16 musste der 26-Jährige zunächst seinen am Start gewonnen 4. Platz wieder Grosjean überlassen, kurz darauf warf ein vorgezogener Boxenstopp den Silberpfeil-Piloten weit ins Mittelfeld zurück. Sechs Runden vor Rennende fand er sich dennoch auf Platz 5 wieder, bevor er auf seinen abbauenden Pirelli-Gummis zunächst Kamui Kobayashi im Sauber und schließlich Vettel den Vortritt lassen musste.

Der Weltmeister war ein indirektes Opfer der Kollision seines Freundes Schumacher mit Senna geworden, weil er nach Ansicht der Rennkommissare bei den geschwenkten gelben Flaggen nicht genügend vom Gas gegangen war. Eine Durchfahrtsstrafe warf Vettel vom 6. auf den 10. Platz zurück. Doch nachdem er sich bei seinem dritten und letzten regulären Stopp in Runde 42 auch einen neuen Frontflügel geholt hatte, kämpfte sich der 24-Jährige wieder nach vorne und überholte dabei beide McLaren-Piloten auf der Strecke.

"Ohne die Strafe wäre vielleicht Platz fünf möglich gewesen. Mehr war aber nicht drin, dafür waren die vorne zu schnell", kommentierte Vettel seinen 6. Platz. Bei McLaren entschied Hamilton als Achter vor Jenson Button das teaminterne Duell für sich, und das obwohl er nach seiner Disqualifikation im Qualifying vom letzten Platz hatte starten müssen.

An der Spitze verlor Alonso noch vor Halbzeit seine am Start gewonnene Position wieder an Maldonado. Während sich der Ferrari-Star an der Box seinen zweiten frischen Reifensatz holte, übernahm der Williams-Pilot, der zwei Runden früher gestoppt hatte, wieder die Führung. Zwar kam Alonso im letzten Renndrittel noch einmal gefährlich nahe heran, unter anderem weil Maldonado bei seinem dritten Stopp und beim Überrunden etwas mehr Zeit verlor als der Spanier.

Doch Maldonado behielt die Nerven und verteidigte seinen ersten Sieg souverän bis ins Ziel. "Pastor ist toll, er erinnert mich an Juan Pablo Montoya", jubelte Claire Williams, Marketing-Chefin und Tochter von Williams-Chef Sir Frank. Montoya hatte 2004 in Brasilien zuletzt für den britischen Traditionsrennstall gewonnen."Es hat seit unserem letzten Sieg viel zu lange gedauert, aber wir alle haben nie aufgehört, daran zu glauben", freute sich Teamchef Frank Williams über das verspätete Geschenk zu seinem 70. Geburtstag.