Spanien schiebt Deutschen ab: Stalker attackierte Schauspielerin mit Armbrust

Deutscher Reisepass
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© dpa, Rolf Vennenbernd, bsc

29. Mai 2017 - 14:09 Uhr

Auch nach acht Jahren Haft noch immer gefährlich

Acht Jahr lang saß der Deutsche Arndt M. wegen versuchten Mordes in Spanien im Gefängnis, weil er eine Frau mit einer Armbrust attackiert hatte. Nun greifen die dortigen Behörden zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Das EU-Land will den Stalker nach Deutschland abschieben. Auch nach der verbüßten Haftstrafen sei der Mann noch gefährlich, meinen die zuständigen Behörden. Das ist gar nicht so einfach, denn als Deutscher genießt M. Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union.

Kann man als Deutscher einfach aus Spanien abgeschoben werden?

Kann man als EU-Bürger aus einem anderen EU-Land abgeschoben werden? Das geht tatsächlich nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. "Freizügigkeitsberechtigte Unionsbürger können ihr Aufenthaltsrecht aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit verlieren", erklärt das Bundesinnenministerium auf seiner Homepage. Ein EU-Bürger darf also nur ausgewiesen werden, wenn er durch sein Verhalten eine schwerwiegende Gefahr darstellt.

Auch würde man bei einem EU-Bürger eigentlich nicht von Ausweisung, sondern von Verlust des Freizügigkeitsrechtes sprechen. Faktisch bedeutet das aber das Gleiche. Der Betroffene wird des Landes verwiesen und darf nicht wieder einreisen.

Die spanischen Behörden sind der Ansicht, dass M. noch immer gefährlich ist – nicht nur für die Schauspielerin, die er 2009 attackierte, sondern auch für andere Menschen. Damit wäre die Sicherheit der Allgemeinheit gefährdet, wenn der Verurteilte auf freien Fuß kommt und die Abschiebung wäre nach EU-Recht möglich.

Stalker lauerte der Schauspielerin auf

Schauspielerin Sara Casanovas
Arndt M. bedrohte und attackierte die damals 25-jährige Schauspielerin Sara Casasnovas.
© dpa, JUAN JO MARTIN, cmm jak hpl wst tba vge

Damals lauerte Arndt M. der damals 25-jährigen Sara Casanovas nach einem Theaterauftritt in Madrid auf und schoss mit einer Armbrust auf sie. Der Pfeil verfehlte die Schauspielerin jedoch knapp und blieb in der Jacke eines unbeteiligten Mannes stecken. Beide blieben unverletzt. Mehrere Passanten überwältigten den Angreifer und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf, berichteten deutsche und spanische Medien damals.

Der damals 39-Jährige hatte sich nach eigenen Angaben in die Spanierin verliebt, als er sie in einer Fernsehsendung sah. Monatelang schrieb er ihr Liebesbriefe, doch seine Annäherungsversuche blieben unbeantwortet. Daraufhin reiste er nach Spanien und spürte Casanovas auf. Vor Gericht sagte er aus, dass er die Schauspielerin gar nicht verletzten wollte. Er habe geplant, sich vor ihren Augen umzubringen, dann habe sich versehentlich ein Pfeil gelöst.

Ein Gericht verurteilte den Stalker, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, zu acht Jahren Gefängnis. Diese Haftstrafe ist nun vorbei. Am 30. Mai soll M. aus dem Gefängnis entlassen werden. Die spanischen Behörden ordneten die sofortige Abschiebung nach der Entlassung an.