Wegen Zweifel an Wirksamkeit von AstraZeneca-Impfstoff

Gesundheitsminister Jens Spahn erwägt neue Impf-Reihenfolge

27. Januar 2021 - 14:29 Uhr

Bundesregierung denkt über Neuordnung der Impfreihenfolge nach

Eigentlich sollten die Corona-Impfungen durch die Zulassung des AstraZeneca-Präparats mehr Fahrt aufnehmen. Doch es gibt Probleme – und das nicht nur bei den Liefermengen. Es gibt Zweifel an dessen Wirksamkeit bei älteren Menschen. Dabei sollte der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers vor allem bei über 80-Jährigen eingesetzt werden. Laut einem Medienbericht erwägt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nun eine Neuordnung der Impfreihenfolge. Was er zu AstraZeneca in einem Interview mit RTL sagt, zeigen wir Ihnen im Video.

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In jeder Altersgruppe gebe es Menschen mit Vorerkrankungen

Weil die Bundesregierung eine geringere Wirksamkeit des Impfstoffes bei über 65-Jährigen befürchtet, denkt Spahn über eine Änderung der Impf-Reihenfolge nach, berichtet der "Spiegel". Der CDU-Politiker machte deutlich, dass erst auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse entschieden werde, welche Gruppen das AstraZeneca-Mittel zuerst bekommen könnten - auch welche Altersgruppen. Dabei sei klar: In jeder Altersgruppe gebe es Menschen mit Vorerkrankungen, die sich Impfungen erhofften. Den Impfstoff werde man daher in jedem Fall "natürlich auch gut gebrauchen können".

Tatsächlich richten sich die Impf-Prioritäten derzeit nach dem Alter - aber nicht nur. Gerade ist die erste Gruppe dran, zu der über 80-Jährige, Personal und Bewohner in Pflegeheimen sowie Gesundheitspersonal mit dem höchsten Ansteckungsrisiko gehören. In der zweiten Gruppe folgen Ältere über 70, aber auch Menschen mit Trisomie 21, mit Demenz oder geistiger Behinderung.

AstraZeneca sollte Impfungen in Deutschland ankurbeln

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz riet zum Nachjustieren: Klug wäre es, die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zunächst nur über 80-Jährigen zur Verfügung zu stellen, sagte Vorstand Eugen Brysch. Der Impfstoff von AstraZeneca könnte dann für Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen genutzt werden.

Für das erhoffte schnellere Hochfahren der Impfungen hierzulande spielt das Präparat von AstraZeneca dabei eine wichtige Rolle - auch, weil es nicht so aufwendig zu kühlen ist wie das Mittel von Biontech. Mengenmäßig hat sich Deutschland bisher mehr als 90 Millionen Dosen von Biontech gesichert, von Moderna rund 50 Millionen Dosen. Für das Präparat von AstraZeneca sollen es rund 56 Millionen aus einer gemeinsamen EU-Bestellung sein. Doch die Zahlen wackeln jetzt.

Die EU kämpft derzeit darum, überhaupt die bestellten Mengen zu bekommen. Kommissionschefin Ursula von der Leyen mahnte am Dienstag: "Jetzt müssen die Firmen liefern." Die EU hatte schon im August bis zu 400 Millionen Dosen von AstraZeneca bestellt und nach eigenen Angaben noch 336 Millionen Euro für den Ausbau der Fertigung und eine Produktion auf Halde gezahlt. Doch vorige Woche kündigte die Firma an, zunächst weniger zu liefern als vertraglich zugesichert. Im ersten Quartal sollen 31 Millionen statt 80 Millionen Dosen kommen. Die EU-Staaten reagierten wütend.

Debatte um AstraZeneca-Studie

In der Debatte um die Wirksamkeit des Impfstoffs von AstraZeneca geht es vor allem darum, wie breit die Datengrundlage für Ältere ist. Denn sie sollen - als besonders Gefährdete für schwere Corona-Verläufe - in der Anfangsphase mit knappen Impfstoffen generell Vorrang haben. In den ersten eingereichten Studien waren weniger Ältere beteiligt als bei Studien anderer Impfstoffhersteller, wie das Gesundheitsministerium erläuterte - das sei auch schon seit Herbst bekannt.

AstraZeneca wies am Dienstag auf frühere Ergebnisse hin, wonach der Impfstoff auch bei älteren Menschen eine starke Immunantwort auslöst. Daraus kann aber nicht automatisch ein Impfschutz abgeleitet werden.

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