Erster Start von den USA zur ISS seit fast 10 Jahren

SpaceX übernimmt Raumfahrt: Tesla-Chef Elon Musk fliegt Nasa-Astronauten ins All

27. Mai 2020 - 11:28 Uhr

Nasa-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley fliegen ins All

Erstmals seit fast einem Jahrzehnt will die US-Raumfahrtbehörde Nasa wieder Astronauten von den USA aus zur Internationalen Raumstation ISS schicken. Die Nasa-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley werden heute Abend um 22:30 Uhr deutscher Zeit an Bord eines "CrewDragons" des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk ins All fliegen. Der Start soll mit einer "Falcon 9"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus erfolgen.

SpaceX-Flug zur ISS nur ein Test für Mondfahrt?

 NASA astronauts Douglas Hurley left and Robert Behnken right participate in a dress rehearsal for launch at the agency s Kennedy Space Center in Florida on May 23, 2020, ahead of NASA s SpaceX Demo-2 mission to the International Space Station. Demo-
Die NASA-Astronauten Douglas Hurley (links) und Robert Behnken (rechts) sind bereits startklar.
© imago images/UPI Photo, KIM SHIFLETT via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Damit würden erstmals seit 2011 wieder Astronauten von den USA aus zur Raumstation ISS starten – und erstmals befördert von SpaceX. Das Unternehmen hat bislang nur Fracht zur ISS transportiert. Die Nasa hatte ihre eigene Shuttle-Flotte aus Kostengründen ausgemustert. Im Juli 2011 war die "Atlantis" zum letzten Mal geflogen. Seitdem ist die Nasa auf die Mitnahme ihrer Astronauten in russischen Sojus-Kapseln angewiesen, um zur ISS zu gelangen –  was in den USA aus finanziellen und geopolitischen Gründen schon länger für Unmut sorgt.

Das Musk-Unternehmen SpaceX hat von der US-Raumfahrtbehörde Nasa rund 3 Milliarden Dollar erhalten, um den Flug ins All möglich zu machen. Mit der Zusammenarbeit will die USA wieder an die Raumfahrtspitze kommen. "Private Unternehmen spielen bereits bei der Raumstation ISS eine große Rolle, indem sie Fracht zur ISS bringen", sagt der Raumfahrtexperte Johannes Weppler im RTL-Interview.  Der SpaceX-Flug könnte auch nur ein Test für ein größeres Projekt sein, denn Johannes Weppler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)weiß auch: "Sehr viele Nationen und private Unternehmen interessieren sich wieder für den Mond."

Wie lange die Astronauten Behnken und Hurley an Bord der ISS bleiben, muss laut Nasa noch geklärt werden. Wegen der Corona-Pandemie wird es allerdings beim Start Beschränkungen für die Zahl der Zuschauer auf dem Weltraumbahnhof im US-Bundesstaat Florida geben. Die Nasa hat ihre Arbeit in der Krise eingeschränkt, der Betrieb der ISS läuft aber weiter. Erst am Freitag waren drei Raumfahrer –  die US-Astronauten Jessica Meir und Andrew Morgan sowie der Russe Oleg Skripotschka – nach Monaten auf der Raumstation rund 400 Kilometer über der Erde in einer Sojus-Kapsel wieder sicher in der kasachischen Steppe gelandet. Auf der ISS halten nun zunächst drei Raumfahrer weiter die Stellung: der US-Astronaut Christopher Cassidy und die Russen Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner.

Boeing-Transporter scheiterte bei Testflug

Bereits 2014 hatte die Nasa angekündigt, wieder selbst in die bemannte Raumfahrt einzusteigen – damals war das Jahr 2017 als Ziel genannt worden. Neben SpaceX wurde auch Boeing damit beauftragt, Transporter für Astronauten zu entwickeln. Der von Boeing entwickelte "Starliner" schaffte es allerdings bei einem ersten Versuch im Dezember nicht zur ISS. Der unbemannte Test soll nun zunächst wiederholt werden.