'Sozialtourismus' ist das Unwort des Jahres 2013

13. Januar 2015 - 14:38 Uhr

"Dies diskriminiert Menschen"

Das Unwort des Jahres 2013 lautet 'Sozialtourismus'. Das gab eine sprachkritische Jury in Darmstadt bekannt. Mit dem Schlagwort "wurde von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht", begründete die Jury ihre Entscheidung.

Unwort des Jahres, Sozialtourismus
Mit dem Begriff 'Sozialtourismus' wurde von Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer gemacht, so die Darmstädter Jury.
© dpa, Stephan Jansen

Sprachwissenschaftlerin Nina Janich erklärte: "Dies diskriminiert Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu." Der Ausdruck reihe sich ein in ein Netz weiterer Unwörter, die diese Stimmung befördern wie etwa 'Armutszuwanderung'.

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, forderte den Begriff 'Sozialtourismus' in der politischen Debatte zu ächten. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) begrüßte die Entscheidung der Jury.

Mit dem Begriff 'Armutszuwanderung' bezeichnet die CSU gering qualifizierte Migranten, die nach Einschätzung der Partei in Deutschland vor allem Sozialleistungen in Anspruch nehmen wollen, aber kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

2012 hatte sich die Darmstädter Sprachjury für 'Opfer-Abo' entschieden, 2011 war das Unwort des Jahres 'Döner-Morde'.