Gesundheitswesen, Soziale Marktwirtschaft, Politik

Das macht Deutschland in Corona-Zeiten stark

10. April 2020 - 9:12 Uhr

von Nicole Hetmanski

Das Corona-Krisenmanagement läuft in den einzelnen Ländern unterschiedlich gut. Im Vergleich stehen wir in Deutschland gut da. Renommierte ausländische Medien wie beispielsweise "The New York Times" loben Deutschland. Denn hier ist die Todesrate im Vergleich zur hohen Infektionsrate sehr gering. Das zeigt, dass trotz aller Diskussionen vieles richtig läuft - im Gesundheitswesen, der sozialen Marktwirtschaft oder in der Politik. Hier lesen Sie, was Deutschland in den schweren Zeiten stark macht.

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Fakten und Zahlen: Eine kurze Bestandsaufnahme

Die ganze Welt ist im Krisenmodus. Leere Einkaufsstraßen bringen die Wirtschaft zum Erliegen. In New York werden die Corona-Toten sogar mit einem Gabelstapler in Kühllaster gehievt. Kaum vorstellbar noch vor wenigen Wochen.

Deutschland hat es mit über 100.000 Infektionen zwar schwer getroffen, aber die Todesrate ist mit 1,8 Prozent relativ gering. Das ist in vielen anderen Ländern deutlich anders. Zum Vergleich: Italien kommt auf aktuell knapp 13 Prozent. Großbritannien liegt bei etwa elf Prozent, Spanien und Frankreich erreichen neun Prozent (Quelle: Statista. Stand 8.April). Forscher gehen der Dunkelziffer noch auf den Grund.

Woran liegt das? Was macht Deutschland möglicherweise besser als andere Länder?

Großzügige Tests und Verfolgung von Infektionsketten

26.03.2020, Bayern, München: Ein DIN A4 großes Blatt Papier mit einem Regenbogen und der Aufschrift "Alles wird Gut - Wir bleiben Zuhause" hängt in einem Fenster zur Strassenseite. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In München bleiben die meisten Menschen zuhause.
© dpa, Sven Hoppe, shp tba

Deutschland setzt strategisch auf ein Abbremsen der Ausbreitung und ist in der Verfolgung von Infektionsketten sehr konsequent. Wöchentlich werden hier laut Robert Koch Institut mit 350.000 Corona-Tests mehr Menschen getestet als in den meisten anderen Ländern. Sobald eine Person positiv getestet wird, wird sein Umfeld darüber informiert. Sofortmaßnahme: Häusliche Quarantäne. Die Politik entscheidet in der Krise zudem schnell über Kontaktsperren und auch Schulschließungen: Alle sollen zuhause bleiben. Die meisten halten sich daran.

Deutsche Kliniken wappneten sich schon früh für den Kampf mit dem Virus. Noch bevor sich das Virus hier richtig ausgebreitet hat, hat die Charité in Berlin Mitte Januar einen Corona-Test entwickelt und die Formel online gestellt. Als einen Monat später der erste Corona-Fall in Deutschland publik wurde, hatten die Labore im ganzen Land schon Testkits.

Vorbildlich: Das deutsche Gesundheitssystem

 Krankenhaus, Intensivstation. Leeres Patientenbett, bereit für die Aufnahme eines Patienten. Medizinische Gerät für die Versorgung, Beatmung und Überwachung des Patienten. Deutschland. Krankenhaus
In Deutschland gibt es 40.000 Intensivbetten für Corona-Patienten.
© imago images/Jochen Tack, imago stock&people via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Jetzt zeigt sich, dass das deutsche Gesundheitssystem besser ist, als beispielsweise das in den USA. Zwar sind dort mittlerweile viele Menschen krankenversichert, doch übernimmt die Krankenversicherung nur geringe Kosten.

"Arztbesuche, spezielle Untersuchungen, Medikamente - all das ist hier immens teuer. Deswegen gehen viele Amerikaner erst gar nicht zum Arzt, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können, das aus eigener Tasche zu zahlen. Deswegen leben hier viele Menschen mit Vorerkrankungen, zum Beispiel Diabetes, und wissen gar nichts davon.", sagt RTL-New York Korrespondintin Hannah Klouth.

In Deutschland sind Corona-Tests im Verdachtsfall kostenlos. In den USA sind sie es erst seit kurzer Zeit. Das konnte sich nicht jeder leisten. In der Zeit breitete sich das Virus aus. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft erhöhte Deutschland die Anzahl der Krankenhausbetten in den vergangenen Wochen auf  40.000. 30.000 davon haben eine Beatmungsmöglichkeit. Das sind 34 Betten pro 100.000 Menschen. Auch wenn es Gesundheitsexperten gibt, die diese Zahl für niedriger halten, ist Deutschland trotzdem im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Zum Vergleich: In Italien sind es zwölf und in den Niederlanden sieben Betten pro 100.000 Einwohner.

Wir fallen weich - dank sozialer Marktwirtschaft

ARCHIV - 30.03.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: ILLUSTRATION - Eine Frau füllt ein Antragsformular für Kurzarbeitergeld aus. Durch das Instrument der Kurzarbeit wird der von der Corona-Pandemie verursachte Wirtschaftseinbruch einer Auswertung
Viele Menschen befinden sich im Moment in Kurzarbeit.
© dpa, Jens Büttner, jbu lop fgj

Der deutsche Staat hilft so gut es geht, damit möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Eine Maßnahme ist die Kurzarbeit. Es werden zwar "nur" 60 Prozent des Gehalts gezahlt. Aber diese Maßnahme schützt vor vorzeitiger Entlassung. "Durch Kurzarbeitsregelungen, die wir in diesen Tagen erleben stehen die Menschen nicht von heute auf morgen auf der Straße, sondern können wieder schnell zu ihrem Arbeitsplatz zurückkehren, wenn ein Ende der Krise absehbar ist. Und das ist nicht überall auf der Welt der Fall.", sagt Ulrich Reitz, Leiter der n-tv-Wirtschaftsredaktion.

In Deutschland gibt es außerden noch immer einen hohen Bedarf an Arbeitskräften: "Die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland sind deutlich besser als in vielen anderen Ländern auf dieser Welt. Wenn jemand seinen Job verliert, steht er nicht von heute auf morgen ohne finanzielle Unterstützung dar. Das hat zur Folge, dass er sich wieder darauf konzentrieren kann, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.", so Ulrich Reitz.

Auch Möglichkeiten, im Homeoffice von zuhause aus zu arbeiten und dabei in sicherer Quarantäne zu bleiben zeugt von Flexibilität vieler Firmen, auch wenn für viele die Situation noch ungewohnt ist oder technisch noch nicht einwandfrei läuft.

Veranstalter von Konzerten, Fußballspielen oder Volksfesten sollen mit Gutscheinen entlastet werden. Damit soll auch ihre Existenz gesichert werden und die Menschen nicht auf ihren Tickets sitzen bleiben. Auch das Elterngeld wird durch die Corona-Krise anders berechnet, um junge Eltern zu schützen.

Die Deutschen vertrauen der Politik

US-Präsident Donald Trump spielt die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, lange herunter. Am 11. März noch zweifelt er die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation an, sie seien nach seinem Gefühl falsch. Und meinte überdies, Corona würde schon bald auf wundersame Weise selbst verschwinden. Auch der britische Premierminister Boris Johnson hat den Ernst der Lage unterschätzt. Jetzt liegt er selbst mit einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus.

Angela Merkel hingegen reagiert schneller. Mit ihrer historischen Fernsehansprache sprach sie richtungsweisende Worte. Sie gab ihrer Bevölkerung vor allem eines mit auf den Weg: Zuversicht. Sie vermittelte ein Gefühl. Und die Beschränkungen, die für eine Verlangsamung der Ausbreitung entscheidend sind, stießen in Deutschland kaum auf politischen Widerstand.  90 Prozent der Bürger halten laut einer RTL/ntv-Forsa-Umfrage die Corona-Maßnahmen für richtig. 55 Prozent der Deutschen befürworten sogar noch schärfere Ausgangsbeschränkungen. Und für eine Schutzmaskenpflicht sprechen sich 57 Prozent der Befragten aus.

"Die Krise zeigt uns, dass Demokratie und Rechtsstaat besser funktionieren, als wir im Alltag manchmal meinen. Die Debatte über die Corona-Maßnahmen unterstreicht außerdem, dass die Einschränkung von Grundrechten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sagt RTL-Hauptstadtkorrespondentin Franca Lehfeldt.

Die Bundeswehr hilft in den zivilen Bereichen wie Pflegeheimen oder Gesundheitsämtern aus. Auch Reservistinnen und Reservisten unterstützen die Bundeswehr.

Die Gesellschaft zeigt sich größtenteils solidarisch

News Themen der Woche KW13 03.04.2020,Berlin,Deutschland,GER,die Stadt in Zeiten der Corona Pandemie, ein sogeannter Gabenzaun gesehen in der Hauptstrasse an einem Lidl Markt im Bezirk Schöneberg. *** 03 04 2020,Berlin,Germany,GER,the city in times o
Gabenzäune gibt es in vielen Städten, wie hier in Berlin. Aber auch Hamburg oder Bochum machen mit.
© imago images/Stefan Zeitz, stefan zeitz via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Obwohl die Ausgangsbeschränkungen belastend sind, hält sich die Bevölkerung größtenteils an die strengen Auflagen. Das weckt die Kreativität: Mit der Parole "Wir bleiben zuhause" sind viele Fenster auf den Straßen bemalt. Gabenzäunen helfen den Sozial-Benachteiligten und Obdachlosen und Künstler und Musiker geben Gratis-Konzerte im Internet.

Mit einem neu entdeckten Maß an Engagement und Verpflichtung wollen die Deutschen gemeinsam den Kampf gegen die Pandemie gewinnen. Und die neu Erkenntnisse, Gefühle und Abläufe in die Zeit danach mitnehmen. Denn es wird kommen: Ein Leben nach Corona.​

TVNOW-Doku: Stunde Null Teil 2 - Wettlauf mit dem Virus

Wie besiegen wir Corona? Sehen Sie dazu die spannende TVNOW-Doku: "Stunde Null - Wettlauf mit dem Corona-Virus" (Teil 2)