Sotschis Spagat zwischen großem Sport, Homosexuellen-Debatte und Terrorgefahr

7. Februar 2014 - 13:10 Uhr

RTL-Reporter Leontjew: "Die Russen sind stolz, das wollte Putin erreichen"

Die ganze Welt schaut heute nach Sotschi: Am Abend beginnen in der südrussischen Stadt mit der feierlichen Eröffnungszeremonie die 22. Olympischen Winterspiele. Doch bei aller Vorfreude auf die sportlichen Wettkämpfe überwiegt bei vielen Deutschen die Skepsis: Eine klare Mehrheit hält Sotschi für den falschen Gastgeber – kein Wunder, nach wochenlangen Diskussionen um fehlende Rechte von Homosexuellen und die Ausbeutung von Wanderarbeitern auf den Baustellen. Der Austragungsort selbst wird derweil zu einer Festung, zu groß ist die Angst vor einem Anschlag.

Sotschis Spagat vor der großen Eröffnung
Die Welt zu Gast in Russland - steht ab heute der Sport im Mittelpunkt?
© imago/HochZwei, imago sportfotodienst

Auf den Straßen begegnet man jungen Fans mit Hasenohren und älteren Damen im Olympiafieber, sie rufen: "Olympisches Feuer, du bist in Sotschi und wir freuen uns! Hurra!" Die Spiele haben noch nicht begonnen, aber die Stimmung ist schon da, berichtet RTL-Reporter Peter Leontjew aus Sotschi: "Die Russen sind stolz auf ihr Sotschi und stellen selten unangenehme Fragen. Und das ist es, was wahrscheinlich Putin erreichen wollte."

Dabei könnte man viele Fragen stellen. Zum Beispiel, ob Olympia in einer zum Hochsicherheitstrakt umgebauten Stadt wirklich Spaß macht - oder warum Winterspiele in einer subtropischen Stadt unter Palme stattfinden. Die Sportler freuen sich dennoch, dass es endlich losgeht: "Das ganze Flair hier ist einfach super", sagt Skilangläuferin Hanna Kolb. "So viele Athleten, so eine tolle Stimmung, weil es losgeht und außen rum alles super passt."

Kritische Fragen stellen sich auch die Deutschen – in einer Umfrage von YouGov ist nur für 22 Prozent Russland der passende Olympia-Gastgeber, 60 Prozent antworteten auf diese Frage mit Nein.

Angst vor Terror: USA verschärfen Vorschriften

Nicht nur der Gigantismus und die Rekordkosten von 37,5 Milliarden Euro gaben im Vorfeld Anlass zur Empörung. Hinzu kam internationale Kritik am russischen Anti-Homosexuellen-Gesetz und an der Ausbeutung von Wanderarbeitern, die die glitzernden Olympia-Bauten errichtet hatten. Auch die Angst vor der Terrorgefahr aus dem Krisengebiet Nordkaukasus und die Sorge um die Sicherheit der Athleten gerieten zur Dauerdebatte.

Aus Angst vor Anschlägen verhängten die USA inzwischen Medienberichten zufolge ein vorübergehendes Verbot von Flüssigkeiten, Gels und Spraydosen im Handgepäck auf Russlandflügen. Am Mittwoch hatten die USA vor Sprengstoff in Zahnpasta-Tuben und anderen kosmetischen Behältnissen an Bord von Maschinen gewarnt, die auf dem Weg nach Russland sind.

In Sotschi selbst soll man davon nichts spüren, wenn Präsident Wladimir Putin die ersten Winterspiele in Russland offiziell eröffnet. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Olympiastadt bekam auch RTL-Reporter Guido Wüstemann zu spüren, dessen Auto auf dem Weg zu den Sportstätten mit Aufklebern versiegelt wurde: "Beim Sicherheitscheck einige Kilometer von der Arena entfernt werden Türe und Fenster versiegelt, und bis man sein Ziel erreicht hat, darf man sie nicht mehr öffnen."

153 deutsche Sportler wollen sich von all diesen Diskussionen in den Tagen von Sotschi möglichst nicht beirren lassen und ihren Olympia-Traum leben. 27 bis 42 Medaillen hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als Zielkorridor ausgegeben, in Vancouver hatte das deutsche Team mit 30 Mal Edelmetall Platz zwei in der Nationenwertung belegt.