Sorgenkind Özil: Arsenal-Fans haben die Nase voll

Mesut Özils Körpersprache sprüht nicht immer vor Siegeswillen.
Mesut Özils Körpersprache sprüht nicht immer vor Siegeswillen.
© Imago Sportfotodienst

30. Dezember 2014 - 15:31 Uhr

Die Fans des FC Arsenal sind in Bezug auf Mesut Özil langsam aber sicher mit ihrer Geduld am Ende. Als der Nationalspieler vor einem Jahr von Real Madrid nach London wechselte, war die Euphorie bei den Anhängern der 'Gunners' groß. Doch der Mittelfeldspieler zeigte nur selten ansprechende Leistungen. Viele Fans gestatteten dem 25-Jährigen eine Eingewöhnungszeit. Aber jetzt gehen selbst die Treuesten der Treuen auf die Barrikaden.

Am Sonntag verlor der FC Arsenal wieder mal ein wichtiges Spiel. 0:2 beim FC Chelsea. Der Abstand zum Tabellenführer beträgt nun schon 9 Punkte. In den vergangenen Jahren versagten den 'Gunners' immer dann die Nerven, wenn es wirklich darauf ankam. Ob Premier League oder Champions League – wenn es ernst wurde, scheiterte das Team von Arsene Wenger.

Um auch in den großen Partien zu bestehen und endlich mal wieder eine Meisterschaft zu feiern oder gar in der Champions League den großen Wurf zu schaffen, hatte Arsenal im Sommer 2013 Özil verpflichtet. Der Offensiv-Star kam mit besten Empfehlungen von Jose Mourinho. Bei Real Madrid hatte Özil in den beiden Saisons zuvor mehr Vorlagen gegeben als die Barca-Spielmacher Iniesta und Xavi zusammen. Unter Arsenal-Fans brach wegen des 50-Millionen-Transfers kollektiver Riesenjubel aus. Özil, so dachten die Londoner, sei endlich der große Spieler, der den Unterschied ausmachen und uns einen Titel bescheren kann.

"Özil war Chelseas bester Spieler"

Die Ernüchterung folgte schnell. Özil zeigte selten eine starke Leistung. In vielen Spielen tauchte der DFB-Kicker ab. Speziell in engen, hart umkämpften Begegnungen, als die 'Gunners' die eine entscheidende Einzelaktion Özils gebraucht hätten, war der 25-Jährige kaum zu sehen. Viele Fans und Experten begründeten Özils schwache Vorstellungen mit der Tatsache, dass er regelmäßig auf der für ihn ungewohnten Flügelposition spielen und sich erst daran gewöhnen müsse.

Doch nach einer erneut desaströsen Vorstellung gegen den Stadtrivalen Chelsea am Sonntag platzte selbst den treuesten Özil-Fans der Kragen. "Özil war Chelseas bester Spieler", teilte ein Arsenal-Fanclub via Twitter mit. Ein anderer Anhänger meinte: "So langsam werden die ganzen Entschuldigungen dünn. Es ist Zeit, dass Özil seinen Mann steht. Aber das wird er wohl nie!"

Körpersprache wird Özil zum Verhängnis

Auch die TV-Experten im britischen Fernsehen lassen kein gutes Haar am deutschen Nationalspieler. "In der vergangenen Saison hat Wenger Özil noch in Schutz genommen", sagte Liverpool-Legende Jamie Carragher, der nun für 'Sky Sports' arbeitet. "Aber jetzt fehlen selbst Wenger die Worte. Und ich kann es auch nicht mehr hören. Wenn du 50 Millionen für einen Spieler ausgibst, willst du mehr von ihm als zwei, drei gute Spiele im Jahr gegen Leicester und Norwich. Dann willst du, dass er gerade in diesen Spielen gegen Chelsea und Dortmund gut spielt", kritisierte Carragher den Arsenal-Star.

"Chelsea zeigt Arsenal, dass sie besser Fabregas gekauft hätten anstatt Özil", schrieb der 'Guardian' nach dem Spiel. Und das Magazin 'ESPN FC' bewertete Özils Leistung als "schrecklich, furchtbar, unterirdisch. Keiner weiß, warum Özil nicht ausgewechselt wurde. Ein Fehlpass nach dem anderen. Und körperlich konnte er ebenfalls nicht mithalten."

Und eben jene physischen Defizite werden Özil auf der Insel zum ganz großen Verhängnis. "Seine Körpersprache schaut so aus wie die von Fernando Torres", sagte der ehemalige Premier-League-Profi und jetzige TV-Experte Stan Collymore. Für die englischen Fußballfans ist Kampf- und Laufbereitschaft wichtiger als jeder Sieg. Und wenn Özil nach einem seiner vielen Ballverluste behäbig hinterhertrabt, bringt das den britischen Fan zur Weißglut.

In den vergangenen Wochen hatte Lukas Podolski seine Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, Arsenal bald zu verlassen. Sollte Özils Formkurve nicht bald nach oben zeigen, könnte Poldi nicht der einzige deutsche Nationalspieler sein, der den 'Gunners' in naher Zukunft den Rücken kehrt.