Politiker äußern sich sehr skeptisch

Sorge um die Herbstferien: Was kommt nun auf uns zu?

Ob die geplante Reise in den Herbstferien stattfinden kann, ist fraglich.
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24. September 2020 - 15:25 Uhr

von Holger Schmidt-Denker

Das Ende der Sommerferien ist, zumindest in Bayern und Baden-Württemberg, erst gut zwei Wochen her, da richtet sich der Blick vieler in Deutschland schon auf den Herbst- und Winterurlaub. Doch die Aussicht auf ungetrübte Urlaubsfreuden in den europäischen Nachbarländern ist schlecht. Und so dürfte sich bei manchem, der Ziele außerhalb Deutschlands ansteuern will, angesichts der neuesten Warnungen Frust breitmachen. Hier die Übersicht der Regionen, die zum Risikogebiet erklärt wurden.

„Ich denke, man kann auch in Deutschland einen schönen Urlaub verbringen“

ARCHIV - 18.09.2020, Berlin: Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, verlässt nach einem Pressestatement die 177. Sitzung des Bundestags mit einem Mund-Nasen-Schutz. Mit sogenannten Fieberambulanzen und besonderen Schutzvorkehrungen für Risi
Spahn kündigt neue Corona-Strategie für kalte Jahreszeit an
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Der Bundesgesundheitsminister hat sich schon vergangene Woche eindeutig positioniert. Angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen sagte Jens Spahn im Hinblick auf anstehende Reisen im Herbst und Winter auf die Frage von RTL: "Ich denke, man kann auch in Deutschland einen schönen Urlaub verbringen." Ähnlich positionierte sich auch Schleswig Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Im RTL-Frühstart sagte er: "Aber mein Appell ist schon, im Moment auf Reisen zu verzichten, auch ins Ausland." 

Und die Zahlen geben ihnen recht. Immer mehr bei Deutschen beliebte Kurzurlaubsziele wie Österreich, Frankreich oder die Schweiz melden zum Teil dramatisch steigende Infektionsraten. Vor Reisen in die österreichische Hauptstadt Wien, eine Top-Destination für deutsche Herbsturlauber, warnt das Auswärtige Amt in Berlin schon seit Tagen, nun kam auch noch das Bundesland Vorarlberg mit den berühmtem Skiorten Lech und St. Anton dazu.

Schweiz fürchtet "Alpen-Lockdown"

Mit Blick auf den Winter macht sich in den Skigebieten der Alpen daher schon jetzt Panik breit. In der Schweiz fürchtet man sich schon jetzt vor einem erneuten "Alpen-Lockdown", so die Berner Zeitung. Nach der durch Corona vorzeitig beendeten Saison 2019/21 droht nun der Totalausfall für die kommende Skisaison.

Hektisch werden in den Tourismuszentralen derzeit Hygienepläne ausgearbeitet um in den Bergbahnen, an den Skilifts und den Skipassausgabestellen Menschenansammlungen zu verhindern. Von Après-Ski spricht sowieso kaum noch einer, die Regierung in Wien hat das gerade bei jungen Urlaubern beliebte gesellige Beisammensein für die kommende Saison bereits komplett verboten.

Einen Lockdown wie im März will man aber unbedingt verhindern. Mit der Möglichkeit von Onlinebuchungen bei Skipässen und Skiausrüstung, kontaktlosem Nutzen von Bahnen und Lifts, Tracing-Apps und dem permanenten Tragen von Masken könne das Risiko minimiert werden, so die Tourismusmanager optimistisch.

Bei schlechten Zahlen werden die Behörden nicht lang fackeln

Doch allen Maßnahmen zum Trotz, niemand kann momentan vorhersagen wie sich die Corona-Situation Ende November/Anfang Dezember in den Alpen darstellt. Bei dramatisch steigenden Zahlen werden die Behörden diesen Winter nicht lange fackeln, als letztes Mittel auch einen Lockdown durchzusetzen.

Die Chaostage von Ischgl, wo das zögerliche Verhalten der örtlichen Verantwortlichen im März zu einer Masseninfektion mit Corona geführt hat, sind allen noch als warnendes Beispiel vor Augen.

Die Empfehlung des Gesundheitsministers, den Urlaub in Deutschland zu verbringen, könnte allerdings von den Ereignissen hierzulande auch noch überrollt werden. Einen erneuten Lockdown schließen zumindest erste Politiker nicht gänzlich aus, wie auch Norbert Röttgen im RTL-Interview.

Virologen geben sich pessimistisch: Es gebe beim Coronavirus eine Saisonalität, die darauf schließen lasse, dass man mit einem Anstieg der Infektionszahlen in ganz Deutschland rechnen müsse, so der Bonner Virologe Hendrik Streeck im RTL-Interview.: "Das wird deutlich nach oben gehen", so Streeck. Und sein Berliner Kollege Christian Drosten ergänzt: "Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns."

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