Sonnenschirm im Regen: Reisebüros rufen nach Hilfen

Mit leeren Koffern stehen Besitzer und Mitarbeiter aus Reisebüros bei einer Protestaktion. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
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29. April 2020 - 16:50 Uhr

Mit leeren Koffern, Liegestühlen und Sonnenschirmen haben bayerische Reisebüros am Mittwoch auf ihre Notlage aufmerksam gemacht und Hilfen gefordert. In München, Nürnberg, Schweinfurt und Kempten demonstrierten rund 150 Eigentümer und Beschäftigte. "Wir haben keine Einnahmen, und wir müssen jetzt sogar Einnahmen von 2019 zurückzahlen für gebuchte Reisen, die jetzt nicht stattfinden können", erklärte Reiseveranstalterin Claudia Mades in München.

Ausgangsbeschränkungen, die Schließung von Hotels und Gasthäusern sowie der Grenzen haben der Branche den Boden entzogen. Mades sagte: "Kleine Reisebüros haften mit Haus und Hof." Viele in Bayern warteten noch immer auf die Auszahlung von Soforthilfen. Dass diese Hilfe nicht zum Lebensunterhalt verwendet werden dürfe, sei für Solo-Selbstständige ein Problem. Kurzarbeit sei wegen des enormen Arbeitsaufwands kaum möglich: "Kunden fragen ständig, was ist mit meiner Reise? Manche hatten von Ostern auf die Pfingstferien umgebucht, das mussten wir dann auch wieder stornieren."

Die unter strengen Auflagen genehmigte Demonstration auf dem Münchner Odeonsplatz bot ein passend trostloses Bild: 40 Demonstranten standen mit Mundschutz und jeweils zwei Meter Abstand voneinander im Regen und riefen: "Leere Koffer, leere Kassen!" Flugblätter durften sie nicht verteilen, und Gespräche mit den ohnehin wenigen Passanten waren kaum möglich. Politiker seien eingeladen gewesen, aber keiner habe vorbeigeschaut, sagte Mades.

In Nürnberg kamen 50 Demonstranten für 45 Minuten am Flughafen zusammen - so viele wie angemeldet und genehmigt, sagte eine Polizeisprecherin. In Kempten demonstrierten mittags zwei Dutzend Eigentümer und Mitarbeiter von Reisebüros im Allgäu mit Koffern, Liegestühlen und Sonnenschirmen vor einem Einkaufszentrum. Sie habe so etwas noch nie gemacht, sagte Organisatorin Diana Hirnigl, Geschäftsleiterin eines Reisebüros in Kempten. "Aber es ist kein Geld mehr da." Sie habe bei einer ersten Mitarbeiterin den Vertrag auslaufen lassen müssen, obwohl sie diese gern behalten hätte.

Notwendig seien nicht rückzahlbare Soforthilfen. "Tourismus trägt hierzulande mehr zum Bruttoinlandsprodukt bei als Automobilindustrie oder Maschinenbau", sagte Mades. "Jetzt brauchen wir echte politische Unterstützung und nicht nur Lippenbekenntnisse."

Quelle: DPA