26. Februar 2019 - 15:10 Uhr

So weit wie von Moskau nach Madrid

Er wäre dann jetzt da: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ist in Vietnam eingetroffen. In Hanoi wird er sich am Mittwoch und Donnerstag mit US-Präsident Donald Trump treffen – schon zum zweiten Mal nach dem Treffen in Singapur im vergangenen Jahr. Seine Anreise gestaltete er eigenwillig: Er kam mit dem Zug – obwohl die Strecke von Pjöngjang 4.000 Kilometer lang ist. Das entspricht in etwa der Distanz zwischen Moskau und Madrid.

Er winkt und lächelt

Das ist umso erstaunlicher, da dieser Zug nur 60 Kilometer pro Stunde schnell fahren soll, wie die "New York Times" einmal schrieb. Am stark gesicherten Bahnhof von Dong Dang an der Grenze zu China wurde Kim dann mit militärischen Ehren empfangen. Er winkte und lächelte, als er mit zahlreichen Leibwächtern den dunkelgrünen Sonderzug verließ. Dieser Zug hat schon vielen Beobachtern Rätsel aufgegeben.

Kistenweise französischer Wein

Er soll kugelsicher sein und diente schon Kims Vater und Großvater. Es soll Waggons für Konferenzen, Audienzen und Speisen geben. Ein russischer Regierungsmitarbeiter, der 2011 mitfahren durfte, sagte, an Bord könne man koreanisches chinesisches, japanisches, französisches oder russisches Essen bestellen. Kistenweise sei französischer Wein vorhanden gewesen.

Manche glauben, der Diktator leide an Flugangst und habe deswegen dieses langsame, aber sichere Transportmittel gewählt. Vielleicht traut er auch einfach der nordkoreanischen Fluggesellschaft Air Koryo nicht über den Weg. Denn wird immer wieder als schlechteste Airline der Welt gewertet.

Gibt es gar einen Friedensvertrag?

dpatopbilder - 26.02.2019, Vietnam, Dong Dang: Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, winkt aus einem Auto, nachdem er in der vietnamesischen Grenzstadt mit dem Zug angekommen war. Am 27. und 28.02.2019 wollen US-Präsident Trump und der Machthaber No
Vor USA-Nordkorea Gipfel
© dpa, Minh Hoang, hjb

An der vietnamesischen Grenze stieg Kim dann aber mit seinem Tross aufs Auto um. Eine Wagenkolonne brachte ihn in die Hauptstadt Hanoi. Mit Trump wird er über das Atomprogramm sprechen. Der US-Präsident erwartet, dass Kim die Atom- und Raketentest einstellt – der Nordkoreaner zögert, weil er die Waffen als Lebensversicherung seines Regimes betrachtet. Solange er sie hat, wird ihn niemand angreifen.

Die Zeichen stehen aber auf Entspannung. Manche munkeln gar, Trump und Kim könnten einen Friedensvertrag für Nord- und Südkorea präsentieren. Die beiden Länder befinden sich noch immer, seit den 50er Jahren, offiziell im Krieg.

Ein Smalltalk-Thema?

Trump kam übrigens nicht mit dem Zug – auch nicht mit dem Schiff. Er reiste wie üblich mit der Präsidentenmaschine Air Force One an. Auch dort gibt es einige Annehmlichkeiten, aber definitiv nicht so viel Platz wie in Kims Panzerzug. So hat alles Vor- und Nachteile. Vielleicht wäre das ja ein gutes Thema für den ersten Smalltalk, um das Eis zu brechen.