Somalier verklagt Deutschland und USA wegen Drohnenangriff

Bei einem Drohnenangriff in Somalia wurde 2012 versehentlich ein unbeteiligter Kamelhirte getötet.
Bei einem Drohnenangriff in Somalia wurde 2012 versehentlich ein unbeteiligter Kamelhirte getötet.
© dpa

23. September 2015 - 11:31 Uhr

Kamelhirte statt Al-Shabaab-Kämpfer getötet

2012 starb ein Kamelhirte in Somalia bei einem Drohnenangriff, der einem Al-Shabaab-Kämpfer galt. Jetzt klagt sein Sohn gegen Angehörige des US-amerikanischen und des deutschen Militärs, wie die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet. Eine weitere Klage soll sich gegen die Bundesrepublik richten, weil die Drohnenangriffe gegen Afrika von US-Stützpunkten auf deutschem Boden aus geflogen werden.

Unterstützt wird der Sohn des somalischen Kamelhirten von der 'Open Society Justice Initiative', die eine 88-seitige Strafanzeige vorbereitet hat, um sie der Staatsanwaltschaft in Zweibrücken vorzulegen. Mehrere hochkarätige Anwälte sollen die Schrift unterzeichnet haben.

Die Juristen werfen amerikanischen und deutschen Mitarbeitern auf den Stützpunkten Ramstein und Stuttgart gemeinschaftlich begangenen Mord und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor, so die Zeitung. Von diesen beiden Stützpunkten aus wurden Drohenangriffe auf Afrika koordiniert.

Zusätzlich zu der Anzeige wurde auch eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland vorbereitet, die beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht werden soll. Die Regierung habe laut der Klageschrift die Aktivitäten amerikanischer Streitkräfte auf deutschem Boden nicht genügend überwacht.

Für ausländische Militärstützpunkte in Deutschland gelte ebenfalls deutsches Recht. Die unterlassene Kontrolle habe das Risiko für den Tod des Somaliers erhöht, so die Ankläger. Wenn die Bundesregierung von dem Vorfall gewusst habe, sei das sogar als Beihilfe zu einem völkerrechtswidrigen Delikt zu bewerten.