Soko-Chef Ingo Thiel schreibt Buch: Tiefe Einblicke in den Fall Mirco

20. Oktober 2014 - 20:16 Uhr

Von Linda Görgen

Der zehnjährige Mirco aus Grefrath wurde durch sein Verschwinden im Jahr 2010 zum wohl bekanntesten blonden Jungen Deutschlands. Traurige Berühmtheit erlangte auch der Mann, der das Verbrechen, das sich am idyllischen Niederrhein abspielte, aufklärte: Soko-Chef Ingo Thiel. In seinem Buch 'Soko im Einsatz', das RTLaktuell.de vorab vorliegt, schildert er seine Erinnerungen an die packendsten Fälle seiner Karriere und gibt darin Einblicke in seine Arbeit und in sein Seelenleben.

Die ganze Wahrheit über den Fall Mirco auf 136 Seiten – von der Vermisstenmeldung über Zeugenaussagen, Ermittlungspannen und Kabbeleien mit der Presse, packenden Momenten im Präsidium bis hin zu den Gesprächen mit Mircos Eltern. Der Ermittler lässt in den Schilderungen über den Fall seines Lebens keine Fragen offen.

Das erste Treffen zwischen Jäger und Gejagtem

Thiel, der in seiner Freizeit zwar keine Verbrecher, aber Tiere jagt, ist durch seine 20-jährige Arbeit in der Abteilung 11 für Tötungsdelikte der Polizei Mönchengladbach ein abgehärteter Kerl, denkt man. Doch als der 48-Jährige nach 145 Tagen Suche nach der Nadel im Heuhaufen die Nachricht vom Geständnis von Mircos Mörder erhält, "bricht plötzlich alles Bahn, was sich über viereinhalb Monate angestaut hatte. Tatsächlich habe ich zuerst mein Handy durch den Raum gefeuert, als mir Eckartz, mein Stellvertreter, mitteilte, dass der Mann, den sie zu zweit verhören, geständig ist. Und dann liefen mir auf einmal die Tränen", schreibt der Hauptkommissar mit einer 100-prozentigen Aufklärungsquote in seinem Buch.

Die viereinhalb Monate, in denen er und sein Team ohne auch nur einen freien Tag an dem Fall arbeiteten, lasteten offenbar ähnlich auf seinen Schultern wie sein Versprechen an Mircos Eltern, das er ihnen beim ersten Treffen gab. Damals sagte er: "Wir gehen nicht eher weg, bis wir den gefunden haben. Das kann ich Ihnen versprechen. Und wir finden ihn."

Und trotz zahlreicher Rückschläge gelingt es ihm, sein Versprechen zu halten. Nach der Auswertung von 240.000 Mobilfunk-Daten fällt die Klappe zu. Die Ergebnisse lassen keinen Zweifel: Olaf H., ein ehemaliger Telekom-Manager und Familienvater, ist für Mircos Verschwinden verantwortlich.

Am 26. Januar 2011 gesteht der 45-Jährige die grausame Tat und führt die Polizei zu der Stelle, an der er die Leiche des Jungen abgelegt hat. Es kommt zum ersten Zusammentreffen zwischen Jäger und Gejagtem. Thiel erinnert sich: "Bevor ich an ihm vorbei bin, hebe ich nur kurz den Zeigefinger, wie zum Gruß, und sage halblaut: 'Hab dich!' Ich bin nicht sicher, ob er es gehört hat, jedenfalls kommt von ihm keine Reaktion. Ist aber auch egal, denn ich brauche diesen Satz mehr für mich selbst. Um die Sache auch innerlich abzuschließen – so wie man am Ende eines Satzes einen Punkt macht."

Ingo Thiels Buch 'Soko im Einsatz. Der Fall Mirco und weitere brisante Kriminalgeschichten' erscheint am kommenden Montag, den 12. November, im Ullstein-Verlag.



Linda Görgen entdeckte schon während der Schulzeit den Journalismus für sich, als sie bei der Lokalzeitung in ihrer niederrheinischen Heimat erstmals Redaktions-Luft schnupperte. Nach dem Studium und einem Volontariat beim Fernsehen zog es sie zunächst nach London, wo sie im RTL-Außenstudio hospitierte. Sie ist bereits seit 2007 festes Mitglied der Redaktion - anfangs als Studentin, später als Redakteurin. Hier kümmert sie sich zudem um die Betreuung der Praktikanten. Nach Feierabend trifft man sie beim Sport, beim Eishockey und auf Konzerten, wenn sie nicht gerade den Koch- oder Backlöffel schwingt. Letzteres auch sehr zur Freude ihrer Kollegen.