Er soll Achtjährigen getötet haben

Sohn erfrieren lassen? Angeklagter Polizist will seine Rente sichern

Polizei-Flatterband
Polizei-Flatterband
© picture alliance / Frank Duenzl, Frank Duenzl

02. November 2020 - 17:11 Uhr

Erst autistischen Sohn getötet, jetzt aus der Verantwortung stehlen?

Ein Polizist aus New York ist wegen Mordes an seinem achtjährigen, autistischen Sohn angeklagt. Nun hat der Mann seinen Polizeidienst quittiert, um seine Rente zu retten. Nur ein neuer Tiefpunkt der Horror-Geschichte, in der der kleine Thomas sein Leben grausam starb.

Sohn in Garage erfroren

Es war die Nacht zum 17. Januar: Der achtjährige Thomas und sein älterer Bruder Anthony werden gezwungen in der unbeheizten Garage des Hauses in Long Island zu schlafen. Draußen zeigt das Thermometer minus sechs Grad Celsius. Die beiden autistischen Brüder haben keine Decken oder Kissen, sind nur mit Jogginghosen bekleidet und müssen auf dem kalten Boden schlafen. Am nächsten Morgen ist Thomas tot – erfroren.

Mordanklage gegen Vater und seine Verlobte

Der Vater, Michael Valva, verstrickte sich laut US-Medien mit seinen Aussagen in Widersprüchen. Thomas hätte sich an einem Türrahmen gestoßen und eingenässt, woraufhin man ihn säuberte und auf ein in der Garage stehendes Sofa schickte, so Valva. Vermutlich mussten die Kinder die ganze Nacht in der kalten Garage verbringen.

Die Staatsanwaltschaft hat den Berichten zufolge eine Aufnahme vom folgenden Morgen sichergestellt, die die Gleichgültigkeit von Valva und seiner Verlobten Angela Pollina (43) gegenüber Thomas' Zustand zeigen soll. Als Thomas' Bruder in der Aufnahme fragt: "Warum kann Thomas nicht laufen?", antwortet Pollina angeblich: "Wenn man mit kaltem Wasser gewaschen wird und man friert, bekommt man eben eine Unterkühlung. Das Paar wird kurz nach dem Tod von Thomas am 17. Januar wegen Mordes angeklagt. Beide haben auf unschuldig plädiert

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Vom Dienst zurückgetreten

Nun hat der Vater, Ex-Polizist Valva, seinen Dienst am New Yorker Polizeidepartment quittiert. Vermutlich um seine Rente zu retten. Ein Sprecher der New Yorker Polizei bestätigt gegenüber US-Medien, dass der Angeklagte aus seinem Dienst zurückgetreten sei. Vorher war er 15 Jahre im Polizeidienst tätig.

Laut Valvas Anwalt, John LoTurco, verließ der Polizist seine Abteilung auf eigenen Wunsch. Sein Klient wolle das bewahren, was er bereits zu seiner Rente beigetragen habe: "Er hat diesbezügliche Papiere ausgefüllt, die seine Leistungen und seine Rente schützen. Es gibt kein Eingeständnis irgendeines Fehlverhaltens. Es erlaubt ihm, auf jede disziplinarische Anhörung zu verzichten, und im Gegenzug erhält er kein Gehalt und keine künftigen Leistungen mehr."

Valva und Partnerin sollen Kinder misshandelt haben

Die biologische Mutter von Thomas, Justyna Zubko-Valva, sagte vor einem Familiengericht aus, sie hätte 2017 den Sorgerechtsstreit um alle drei gemeinsamen Söhne verloren. Auch ihr Sechs- und ihr Zehnjähriger lebten beim Vater, dessen Verlobte Angela Pollina wiederum drei Töchter hatte. Sie habe damals vor Gericht darauf hingewiesen, dass ihr Ex-Mann die Jungen misshandelte. Die Frau sagte auch, Thomas habe an einer leichten Form von Autismus gelitten.

Nicht nur Valva, auch Pollina soll gewalttätig gegenüber den Kindern gewesen sein. Der Vater ihrer jüngsten Tochter, Gino Cali, sagte vor Gericht: "Ich wusste schon seit Langem, dass etwas Schlimmes passieren würde. Ich habe gesehen, wie Angela ihre Zwillinge misshandelte, bevor unsere Tochter geboren wurde. Sie prügelte eines der Mädchen, ich ging dazwischen, dann drohte sie mir, die Polizei zu holen und mich zu beschuldigen."

Justyna Zubko-Valva behauptet auch, dass Bezirks- und Staatsbeamte ihre zahlreichen Beschwerden ignoriert hätten – Behauptungen, die in einer im Frühjahr dieses Jahres eingereichten Zivilklage über 200 Millionen Dollar dargelegt wurden.