Viel Geld von Bund und Ländern

Werden unsere Schulen jetzt endlich digital?

Bildungsministerin Anja Karliczek stellte am Freitag das Sofortprogramm für Schulen vor
© dpa, Wolfgang Kumm, wk cul

15. Mai 2020 - 14:25 Uhr

500 Millionen Euro für Digitalschub

"Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Freitag. Für Schulen in Deutschland heiße das: "Digitales Lernen hat an Bedeutung gewonnen". Zusammen mit Stefanie Hubig (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, stellte Karliczek am Freitag die Zusatzvereinbarung zum "Digitalpakt Schule" vor. 

Bund und Länder hatten sich aufgrund der Schulschließungen wegen des Coronavirus auf ein Sofortprogramm in Höhe von 500 Millionen Euro zur Bereitstellung von digitalen Endgeräten verständigt. Gerade diejenigen Schülerinnen und Schüler sollen damit entlastet werden, deren Familien sich einen Laptop nicht leisten können, aber derzeit auf ein solches Gerät angewiesen sind. Viel Geld also - trotzdem bleiben einige Fragen offen. Wie wird den Schülerinnen und Schülern zum Beispiel dabei geholfen, große Bildungsrückstände aufzuholen?

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Grüne fordern mehr Verantwortung vom Bund

Einen Zuschuss von 150 Euro sollen bedürftige Schüler zur Anschaffung von Laptops oder Tablets bekommen. Allerdings soll dieser nicht direkt an die Familien gehen. Die Geräte sollen stattdessen für die Schulen beschafft und von diesen an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden. "Die Geräte bleiben auch im Eigentum der Schule und können dadurch auch im Regelbetrieb von der Schule weiterhin genutzt werden", sagte Karliczek. Hubig betonte, dass sich der Fernunterricht schnell entwickelt habe. Durch die Corona-Krise habe es einen Schub bei der Digitalisierung gegeben.

Die Opposition begrüßte die Bereitstellung finanzieller Mittel, allerdings sei es entscheidend, dass diese schnell und unbürokratisch bei den Schulen und Familien ankommen. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, sagte zu RTL/ntv: "Das aktuelle Homeschooling verschärft die bestehende Bildungsungerechtigkeit weiter. Die Ausstattung mit Endgeräten ist jetzt ein erster wichtiger Schritt, um keine Schülerinnen und Schüler dauerhaft zu verlieren."

Langfristig sei allerdings der aktuelle Bildungsföderalismus nicht leistungsfähig genug. Es fehle weiterhin an einer digitalen Grundausstattung - Beispiele: Breitbandanschluss, stabiles WLAN - an vielen Schulen. Der Digitalpakt reiche nicht aus, um die Schulen durch die Zukunft zu führen, so Stumpp. "Dafür braucht es einen modernen Bildungsföderalismus, in dem der Bund auch dauerhaft Verantwortung übernimmt", sagte die Grünen-Politikerin.

Privilegierte Kinder profitieren

Zu der Frage, wie und wann Schülerinnen und Schüler den Lernstoff aufholen könnten, der wegen der Corona-Krise verlorengegangen ist, betonte die KMK-Vorsitzende Stefanie Hubig, dass Sommerferien auch Sommerferien bleiben sollten. "Wir brauchen aber auch Angebote, um es den Schülern zu ermöglichen, bestimmte Dinge nachzuholen." In Rheinland-Pfalz arbeite man bereits an einem solchen Konzept.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen warnte davor, dass die Folgen der coronabedingten Schulschließungen "noch lange nachwirken" würden. Auch sei klar geworden, dass die Situationen in den Familien stark variieren. Allerdings: "Es profitieren vor allem die Kinder und Jugendlichen, die bereits zuvor privilegiert waren, indem sie Schulen besuchen, die schon früh digitale Methoden genutzt haben, die über Endgeräte verfügen, im Zweifel zusätzliche Hilfe einkaufen können und Eltern mit Ressourcen haben, sie zu unterstützen." Gerade diese jungen Menschen, bräuchten nun besondere Unterstützung und Förderung.

Von der FDP kommt ebenfalls Kritik. Thomas Sattelberger, bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, teilte mit: "Deutschland ist für Online-Unterricht unzureichend aufgestellt, gerade im internationalen Vergleich." Weiter sagte er, dass die Bildungsministerin längst hätte handeln müssen, "damit Kindern in finanziell schwachen Familien, in denen ein Laptop keine Selbstverständlichkeit ist, geholfen werden kann."

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