Die Magie von Grün-Gelb-Rot

Rettet uns die Ampel durch den Corona-Herbst?

28. September 2020 - 16:27 Uhr

Markus Söder schlägt bundesweites Corona-Ampelsystem vor

Deutschland steht vor dem Viren-Herbst und der Ausblick ist ungemütlich. Denn auf der einen Seite steigen die Zahlen der täglich Neuinfizierten, auf der anderen Seite herrscht ein Flickenteppich an Corona-Regeln. Keiner blickt mehr wirklich durch, wo was wie gilt. Darum schlägt der bayerische Ministerpräsident vor dem morgigen Corona-Gipfel von Bund und Ländern ein landesweites Corona-Ampelsystem vor. Ist das die Lösung für den Corona-Herbst?

So soll Söders Corona-Warnsystem funktionieren

Im Interview mit der "Süddeutsche Zeitung" hat Söder sein Warnsystem vorgestellt. Es beruht ganz auf der Zahl der Infizierten innerhalb von sieben Tagen auf 100 000 Einwohner. Springt die Zahl auf über 35, wechselt die Ampel von Grün auf Gelb. Dann gelten verbindliche Maßnahmen: etwa verpflichtende Tests für Risikogruppen, das Verbot von Zuschauern bei Sportveranstaltungen und die Maskenpflicht in Schulen.

Steigt die Zahl auf 50 Infizierte, springt die Ampel auf Rot. Söder möchte dann die bei privaten Veranstaltungen erlaubte Teilnehmerzahl weiter reduzieren. Auch ist von Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen, Einschränkungen beim Alkoholverkauf sowie früheren Sperrstunden die Rede.

Österreich hat bereits eine Ampellösung

Söders Idee hat Vorläufer. Etwa die nordrhein-westfälische Ampel, sie wurde von der Landeregierung in Düsseldorf am 1.9. eingeführt und arbeitet mit ähnlich starren Richtwerten von 35 und 50 Infizierten. Offenbar reicht das nicht aus, denn der Corona-Expertenrat von NRW empfiehlt eine weitergehende Ampellösung. Vorbild ist Österreich. Dort führte die Wiener Regierung am 4.9. ein System ein, das neben den Infektionszahlen auch die Auslastung der Krankenhäuser, die Gesamtzahl der Tests und den Einfluss des Tourismus in Betracht zieht.

Das erinnert wiederum an die Corona-Ampeln des Berliner Senats. Ampeln? Ja, Mehrzahl. In Berlin operiert seit Mai die Senatsverwaltung mit drei Ampeln - je einer für die Reproduktionsrate, die Zahl der Neuinfektionen und die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten.

Durchwachsene Bilanz des Corona-Ampelsystems

Doch halten Corona-Ampeln mit vielen Einflussfaktoren, was sie versprechen? Nämlich auf ansteigendes Infektionsgeschehen passend zu reagieren? Die Bilanz ist ernüchternd. Österreichs Presse lächelt über Söder und meint, die eigene Ampel sei "abgedreht", sie werde nur noch "händisch" geregelt. "Zu verfahren war die Situation zwischen Bund und Ländern und den einzelnen Bezirken, für die verpflichtende aber niemals genau definierte Maßnahmen gelten hätten sollen." In Berlin hadern Behörden und Experten mit der Ampel für die Reproduktionsrate. Es ist allerdings die Ampel für die Neuinfektionen, die kürzlich auf Gelb sprang. Allerdings gilt das für die gesamte Stadt. Was das für Konsequenzen für einzelne Stadtbezirke hat, ist unklar.

Was wirklich fehlt: Einheitliche Folgen für Ampel-Signale

Der Infektionsepidemiologe Prof. Timo Ulrichs hat die Idee einer bundesweiten Corona-Ampel trotz allem begrüßt. Es gebe ja bereits diverse Obergrenzen für kritische Werte, sagt er im Gespräch mit RTL. Es mangele aber an einheitlichen Reaktionen. "Was so ein bisschen fehlt, ist, wenn man als Landkreis diese Grenze reißt, dass dann auch wirklich konsequent diese Maßnahmen erfolgen. Das ist sehr unterschiedlich, wie die umgesetzt werden."

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