Räumlich getrennt, virtuell vereint

Neue App verbindet Angehörige rein digital: Die Familiengeschichte in der Hosentasche

Sich durch das Smartphone nah sein: Die App "Remember Me" will Familien in der Pandemie virtuell verbinden.
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19. Januar 2021 - 16:16 Uhr

Eine App für die Ewigkeit?

Das Ziel der Smartphone-App "Remember Me" ist ganz einfach: Sie will Familien digital zusammenbringen und den Austausch von gemeinsamen Erinnerungen ermöglichen – rein digital. So sollen die Familiengeschichte oder gemeinsame Ereignisse und Lebensstationen virtuell miteinander geteilt werden und nie wieder in Vergessenheit geraten, versprechen die Entwickler. Wir haben die App genauer unter die Lupe genommen.

Familien können sich wegen Corona nicht treffen

Hochzeit, runder Geburtstag oder die Geburt des Kindes: Unter normalen Umständen sind das Anlässe, zu denen die ganze Familie zusammenkommt. Doch in einer Pandemie können sich Geschwister, Oma, Opa, Tante, Onkel, Cousins und Cousinen nicht so einfach treffen. Gerade größere Familien, die es gewohnt sind, dass alle Familienmitglieder regelmäßig an der großen Kaffeetafel zusammenkommen, leiden unter den Kontaktbeschränkungen durch Corona. Denn so können gemeinsame Feste nicht gefeiert oder Erinnerungen nicht miteinander geteilt werden. Bis mindestens Mitte Februar wird das auch so bleiben, geht es nach einer Beschlussvorlage der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

"Remember Me" will Familien zusammenbringen

Doch trotz der Pandemie haben Menschen das Bedürfnis, ihre Familien zu sehen und Erinnerungen miteinander zu teilen. Die App "Remember Me" hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich Familien auch in einer Pandemie nah sein können und die Familiengeschichte auch ganz ohne echten Kontakt weiterlebt. "Mit Remember Me" baut man eine vollständige und lückenlose Geschichte für Familie und Freunde auf und stellt sicher, dass diese von Generation zu Generation weiterentwickelt, fortgeschrieben und sichergestellt wird" heißt es von den Entwicklern der App, die seit heute kostenlos im AppStore und im Google PlayStore erhältlich ist. Dabei verspricht "Remember Me" nicht weniger, als eine App "für die Ewigkeit zu sein – die die Familiengeschichte, Erlebnisse, Ereignisse und Lebensstationen nie vergessen lässt."

Wie funktioniert "Remember Me"?

Virtuelle Stammbaum bei "Remember Me" (Quelle: Remember Me)
Der virtuelle Stammbaum bei "Remember Me" Quelle: Remember Me
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Nach dem Download der App müssen Nutzer zuerst einen digitalen Stammbaum anlegen und Familienmitglieder und Verwandte in diesen integrieren. Für jedes Familienmitglied muss ein eigenes Profil erstellt werden. Innerhalb des Stammbaumes hat nun jeder Verwandte ein eigenes Profil, auf dem nach und nach persönliche Erinnerungen wie Fotos oder Videos geteilt werden können. Mit Klick auf die verschiedenen Profile haben Familienmitglieder also immer im Blick, was die Verwandten so treiben – vorausgesetzt sie posten auch fleißig. "Remember Me" funktioniert im Prinzip wie ein soziales Netzwerk. Auch Funktionen wie ein Familien-Chat stehen hier zur Verfügung. Jedes Mitglied kann Fotoalben erstellen, die dann mit der Familie geteilt werden können. So lassen sich zum Beispiel Bilder von besonderen Anlässen wie einer Hochzeit oder von gemeinsamen Reisen teilen.

Besonders ist die Funktion der sogenannten "Voice Pics". Hier kann jedes Bild durch eine persönliche und individuelle Sprachnotiz ergänzt werden. So können zu einem besonderen Bild auch ganz persönliche Gedanken oder Erinnerungen hinterlegt werden.

Wie sicher sind die Daten?

Die App stammt von einem Berliner Entwicklerteam und sämtliche Server stehen laut eigenen Angaben in Berlin: "Remember Me garantiert höchste Datensicherheit, da sämtliche Daten ausschließlich in Deutschland gehostet werden." Zudem entspräche die App europäischen Sicherheitsstandards und sei vereinbar mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Darin sieht RTL-Digitalexpertin, Frauke Holzmeier, für Nutzer einen Trumpf: "Der Vorteil von Remember Me ist, dass die App in Deutschland entwickelt wurde. Sollte es also Probleme mit dem Datenschutz geben, ist es viel leichter gegen das Unternehmen vorzugehen im Vergleich zu Whatsapp und Facebook."

Trotzdem sollten sich Nutzer gut überlegen, ob sie intime und sehr private Bilder und Momente auf einer Internetplattform hochladen möchten oder ob solche vertrauten Familienerinnerungen nicht doch besser in der analogen Welt bleiben sollten. Das gilt nicht nur für "Remember Me", sondern auch für Facebook, Instagram oder Pinterest.

App ersetzt keine echten Treffen

Gerade für Familien, die sich derzeit nicht treffen können oder die sehr weit auseinander wohnen, bieten sich Apps an, mit denen gemeinsame Erinnerungen geteilt werden können. Doch ein echtes Treffen kann auch "Remember Me" nicht ersetzten. Denn statt sich digital an Geburtstage oder Hochzeiten zu erinnern, geht doch nichts darüber, diese Momente gemeinsam und analog zu erleben. Und das wird auch dank der Corona-Impfungen bestimmt schon bald wieder möglich sein.

Wie die Pandemie das Familienleben verändert und warum es wichtig ist, in Zeiten vom Homeoffice und Homeschooling Familienzeit bewusst in den Alltag einzuplanen, verraten wir Ihnen hier.