So war das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz: Nervös waren beide

Angela Merkel und Marin Schulz trafen beim TV-Duell erstmals direkt aufeinander.

04. September 2017 - 19:40 Uhr

Erste Umfragen sehen Angela Merkel vorne

Angespannt wirkten beide. Jedenfalls am Anfang. Angela Merkel atmete tief durch, sie bemühte sich zu lächeln, presste aber die Lippen aufeinander. Martin Schulz nahm schon einmal sein Schlusswort vorweg. Dann aber erlebte ein Millionenpublikum am Sonntagabend, wie der SPD-Herausforderer sich in diesem einzigen TV-Duell vor der Bundestagswahl immer mehr in Fahrt redete und der Kanzlerin hier und da einen Stich versetzte. Erst Umfragen von ARD und ZDF sahen die Kanzlerin trotzdem als Siegerin des Duells.

Schulz fordert "klare Kante"

Merkel blieb sich treu. Sie argumentierte detailgenau und wehrte sich gegen zugespitzte Positionen, "nur weil wir im Wahlkampf meinen, uns übertreffen zu müssen". Schläfert sie die Nation ein, ist sie die "All-inclusive-Kanzlerin" der Beliebigkeit, hielten ihr die Moderatoren vor? Jeder Mensch verändere sich mit Herausforderungen, konterte die CDU-Chefin.

Der Sozialdemokrat forderte kämpferisch "klare Kante". Er forderte den sofortigen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen, weil das die einzige Sprache sei, die der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verstehe. Merkel, die noch nie für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union war, mahnte zur Besonnenheit. Das könne nicht Deutschland allein, sondern müsse die gesamte EU entscheiden. Außerdem sei noch am Freitag Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) ihrer Meinung gewesen - damit legte sie den Finger in die Wunde, wer denn bei den Genossen das Sagen hat?

Letzte Chance für Martin Schulz?

Einmal verlor Schulz ziemlich den Faden. Gehört der Islam zu Deutschland? Er suchte nach Worten. Um sich zu retten, sagte er ein Zitat auf, das er sich eigentlich für seine Schlussansprache aufheben wollte. "Jenseits von richtig oder falsch, gibt es einen Ort, an dem treffen wir uns", zitiert Schulz einen schiitischen Philosophen. Man dürfe nicht eine ganze Religion verhaften für die terroristischen Taten einer kleinen Minderheit. 

Aber wie wirkten die beiden auf die Zuschauer? Ein Unentschieden dürfte für Schulz zu wenig sein. Die SPD selbst hatte die Latte für den direkten Schlagabtausch mit Merkel sehr hoch gelegt. Von der fast schon letzten Chance war die Rede, um drei Wochen vor der Wahl noch eine Wende in den Umfragen zu erzwingen. Seit Wochen liegen die Sozialdemokraten wie festgenagelt rund 15 Punkte hinter der Union. Aber viele Wähler sind nach einem schlappen Wahlkampf unentschlossen. 

"Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend"

Doch können diese 90 TV-Minuten eine Wechselstimmung in der Republik erzeugen? Merkels Bilanz kann sich sehen lassen. So viele Jobs wie noch nie, 80 Prozent der Deutschen sagen, es geht uns gut. Schulz bleibt nicht mehr viel Zeit. 

Schulz versucht bei seinem Kernthema der sozialen Gerechtigkeit zu punkten. Viel sei in Bewegung. Deutschland brauche den Mut zum Aufbruch. Man müsse Zukunft gestalten und nicht Vergangenheit verwalten, ein Hieb gegen die Dauerkanzlerin. "Ich bitte Sie um Vertrauen", sagte Schulz. Merkel sagte, dass sie für und mit den Bürgern gemeinsam arbeiten will. Dann kommt ihr seit der Flüchtlingskrise berühmt-berüchtigter Satz: "Ich glaube, dass wir das gemeinsam schaffen können." Und dann: "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend." Damit übernimmt sie ganz zum Schluss die Regie und beendet noch vor den Moderatoren das Duell.