So sehr können Elterntaxis schaden: "Auf der Couch lerne ich nicht, die Straße zu überqueren"

17. September 2018 - 22:58 Uhr

Eltern bringen die Kinder aus Bequemlichkeit und Angst zur Schule

Weil das Verkehrschaos vor so mancher Grundschule immer schlimmer wird, haben das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub Deutschland Aktionstage unter dem Motto "Elterntaxi stehen lassen" ins Leben gerufen. Viele Eltern bringen den Nachwuchs jeden Morgen mit dem Auto zur Schule – aus Bequemlichkeit oder aus Angst, dass den Kindern etwas passieren könnte. Dass sie ihren Kindern damit keinen Gefallen tun, ist vielen nicht klar.

Kinder müssen lernen, sich im Straßenverkehr zu bewegen

"Nach jüngsten Umfragen fahren 20 Prozent der Eltern ihre Kinder zur Schule oder zur Kita", erklärt Claudia Neumann vom Kinderhilfswerk. Damit sorgen die Eltern morgens und nachmittags für Chaos vor den Schulen. Doch gerade dadurch entstehen "unübersichtliche und gefährliche Situationen", sagt Marion Laube vom Vorstand des Verkehrsclubs. Die Eltern wollen ihre Kinder also vor etwas schützen, das sie selbst mitverursachen. Zuletzt sorgte ein Vater in Gütersloh für Schlagzeilen, der einem Kind über den Fuß fuhr und dann einfach davonbrauste.

Die Polizei Gütersloh rief danach in einem offenen Brief dazu auf, Elterntaxis öfter mal stehen zu lassen. "Kinder lernen das richtige Verhalten im Straßenverkehr nicht, wenn Sie sie direkt vor den Schulhof fahren", erklärte die Polizei darin. Im Video berichtet die Autorin Lena Greiner von weiteren besonders extremen Fällen von Helikoptereltern, die zum Beispiel in der Kita darum bitten, dass die Erzieherin die Klobrille warmföhnt, bevor das Kind zur Toilette geht.

Kinder im Elterntaxi sehen graue Straßen - Kinder, die laufen, viel mehr

Wenn Kinder dagegen täglich zur Schule laufen, hat das aber noch weitere Vorteile. Kinder lernen so, Risiken besser abzuschätzen. "Fallen kann man nur durch Fallen lernen", betonte Neumann. Außerdem gibt es so eine zusätzliche Portion Bewegung an der frischen Luft. "Ein Kind, das täglich einen Fußweg von 12 Minuten zur Schule geht, bewegt sich jede Woche zwei Stunden mehr", erklärt auch Gabi Jung von der Umweltschutzorganisation BUND. "Dann können sich Kinder auszappeln und ausquatschen und kommen entspannter in den Unterricht oder auch von der Schule nach Hause", so Neumann.

Darüber hinaus nähmen sie ihre Umgebung intensiver wahr als vom Auto aus. "Wir sehen das vor allem beim Malen", berichtet sie. Kinder aus dem Elterntaxi zeichneten zwei graue Straßen, die Schule und ihre Wohnung. "Kinder, die loslaufen, malen Wiesen, Bäume, Spielplätze und die Oma, die aus dem Fenster schaut." Und natürlich hat auch die Umwelt etwas davon, wenn das Auto öfter mal stehen bleibt.

Mit diesen zehn Tipps zum Schulweg kommen Kinder sicher in die Schule und wieder zurück.