RTL-Reporterin im Kriegsgebiet

"Ich wachte von den Explosionen auf" - so leiden die Menschen in Berg-Karabach

02. Oktober 2020 - 16:09 Uhr

Zermürbt von Sorge und Angst

Ständige Angst vor Drohnenangriffen, zermürbt von der Sorge, was als nächstes passieren wird: Die Menschen in der Konfliktregion Berg-Karabach leiden unter den blutigen Gefechten zwischen Aserbaidschan und Armenien. RTL-Reporterin Kavita Sharma hat mit ihnen gesprochen - ihre Eindrücke im Video.

Mutter wacht am Bett ihres Sohnes

"ich wachte von den Explosionen auf. Wir rannten los, um das Auto zu holen, um zu flüchten, die Kinder zu retten", erzählt die Armenierin Anahit Gevorgyan. Ihr zweijähriger Sohn liegt mit einer Kopfverletzung und einem gebrochenen Bein im Krankenhaus. Ihre Tochter starb bei den Angriffen. Vielleicht war es eine Drohne – Anahit weiß es nicht. Sie wacht an dem Bett ihres Sohnes.

Der internationale Druck wächst

Der internationale Druck auf die beiden verfeindeten Nachbarn wächst. Die Präsidenten der USA, Russlands und Frankreichs verurteilten am Donnerstag in einer ungewöhnlichen gemeinsamen Erklärung die militärische Gewalt im Süden des Kaukasus. Alle drei forderten die sofortige Einstellung der Kämpfe und die Respektierung einer Waffenruhe. Russland und Frankreich warnten vor Terrorgruppen und Söldner aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Staatsoberhaupt Emmanuel Macron und Kremlchef Wladimir Putin. Die drei Staatschefs forderten die beiden verfeindeten Nachbarn auf, diplomatische Verhandlungen unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufzunehmen. Für eine Waffenruhe dürfe es keine Vorbedingungen geben.

Konflikt schwelt seit Jahrzehnten

29.09.2020, Aserbaidschan, Martuni: Die Armenierin Rosa reagiert, nachdem ihr Haus während eines Beschusses beschädigt wurde. Die verfeindeten Südkaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan haben sich den vierten Tag in Folge schwere Kämpfe um die
Die Armenierin Rosa reagiert, nachdem ihr Haus während eines Beschusses beschädigt wurde.
© dpa, Karen Mirzoyan, DL pat

Der Konflikt zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken gibt es bereits seit Jahrzehnten. Berg-Karabach, wo rund 145.000 Menschen leben, wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Die Türkei steht in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans, während Armenien Russland als Schutzmacht sieht.