So leben Rumänen in einem Frankfurter Elendslager

12. April 2015 - 19:22 Uhr

RTL-Reporter Cord Eickhoff berichtet

Mitten in Frankfurt, hinter meterhohen Büschen, uneinsehbar für das Hochglanzleben der Bankenmetropole, liegt ein verlassenes Firmengelände. Zwischen Müll und Ratten leben hier 22 Armutsflüchtlinge aus Rumänien unter katastrophalen Bedingungen. Florin Moldovan, einer dieser Armutseinwanderer, zeigt unserem Reporter Cord Eickhoff seine Unterkunft.

Elendslager in Frankfurt
Florin Moldovan zeigt RTL-Reporter Cord Eickhoff seine provisorische Unterkunft.

"Wir leben hier, wie Sie sehen ohne Strom, ohne Licht, ohne Heizung", sagt er dem RTL-Reporter. Die Feuchtigkeit hat die Zimmerdecke der Behausung aufgeweicht, ein Teil ist heruntergestürzt. Gegen Kälte und Regen hat Florin das Fenster notdürftig zugeklebt. Sämtliche Möbel stammen aus dem Müll.

Zum Duschen geht die Gemeinschaft zur Bahnhofsmission. Tagsüber sammeln sie Pfandflaschen und alte Elektrokabel, um über die Runden zu kommen. "Beim Schrottsammelzentrum verkaufe ich diese Kabel, das Kilogramm für einen Euro 30", erklärt Cristian Farcas.

"Hier ist es viel besser als in Rumänien"

Cristian lebt seit sechs Jahren in Frankfurt. Weil er aber immer noch kein Deutsch spricht, findet der 36-Jährige keine Arbeit. Er sagt, sein einzig wertvoller Besitz sind seine Kinder. "Ich klaue nicht, ich möchte arbeiten, gerne für die Müllabfuhr. Ich habe nichts gelernt, ich war nur zwei Jahre in der Schule. Deshalb kann ich keine andere Arbeit machen." Seinen Verdienst schickt er an die Familie: 20 Euro die Woche durch Pfandflaschen, 50 Euro mit Kabeln. Für ihn ein gutes Einkommen.

Für Cristian steht fest, dass eine Rückkehr in sein Heimatland keine Option ist. "Hier verdiene ich 300 Euro im Monat – und viel leichter als in Rumänien." Der gleichen Meinung ist auch Danut Ilie Chirila, der mit seinem Sohn in einer Lagerhalle voller Habseligkeiten aus dem Frankfurter Sperr-Müll lebt. Ihre Schlafmatratze liegt auf dem Betonboden. Das Trinkwasser hat eine Gaststätte gespendet. Und dennoch sind die beiden zufrieden: "Hier ist es viel besser als in Rumänien. Wir finden in den Mülltonnen teilweise noch verschlossene

Essenspackungen, die noch nicht abgelaufen sind. Davon ernähren wir uns", sagt Danut.

Polizeilich ist das Elendslager unauffällig. Die Stadt Frankfurt fühlt sich nicht zuständig. Das Sozialdezernat sagte auf RTL-Anfrage: "Wir haben keine Zeit, ihnen ein Interview zu den Rumänen zu geben. Da können wir nichts zu beitragen. Das ist ein Privatgelände."

Somit bleibt alles wie es ist. Da die Rumänen keine Miete zahlen und in den Baracken nur geduldet sind, können sie hier keinen Wohnsitz anmelden. Und ohne Wohnsitz bekommen sie keine ordentliche Arbeit. Und dennoch ziehen sie dieses harte Leben im Müll ihrer Heimat vor.