Tag des alkoholgeschädigten Kindes

Hauptschule oder Gymnasium? Schon ein Glas Wein während der Schwangerschaft kann darüber entscheiden

09. September 2021 - 6:59 Uhr

8 von 10 Frauen trinken in der Schwangerschaft

Nur ein Glas Wein zum Entspannen, ein Glas Sekt um den Kreislauf anzukurbeln oder ein Glas Schnaps zum Entbinden? Bloß nicht! Wer in der Schwangerschaft trinkt, riskiert, ein behindertes Kind auf die Welt zu bringen. FAS (fetale Alkoholspektrum-Störungen) heißt die unsichtbare Krankheit, die auch Mylenes Leben fest im Griff hat. Denn auch ihre Mutter hat getrunken. Was Alkohol in der Schwangerschaft alles anrichten kann, erzählt die heute 28-jährige im emotionalen Video.

FAS- was ist das?

FAS ist eine Informationsverarbeitungsstörung und "äußert sich offensichtlich auf den ersten Blick erst einmal gar nicht. Sonden erst wenn man mehr mit den Menschen in Kontakt ist, merkt man, dass es Einschränkungen im Alltag gibt", erklärt Sozialpädagogin Kathleen Kunath. Sie arbeitet in der Wohngruppe Sonnenhof und betreut dort junge Erwachsene, die an der Krankheit leiden. "Die Leidensgeschichte fängt häufig in der Schul- und Kindergartenzeit an. Sie sind einfach anders. Sie verstehen viele Sachen nicht. Es können komplexe Aufgaben nicht erfüllt werden. Komplexe Aufgaben kann man auch schon im Kindergarten haben, wenn Kinder sich Spiele ausdenken und die Kinder, denen nicht folgen können und dann werden sie ausgegrenzt", schildert Kunath. Auch Wäsche in Ordnung zu halten oder Termine wahrzunehmen, fällt FAS-Patienten schwer.

Unsichtbare Behinderung

Die Krankheit, so Kunath, wird häufig erst spät erkannt. Betroffene quälen sich deshalb jahrelang mit Fragen zu ihrer eigenen Person. "Warum kann ich bestimmte Sachen nicht, die andere Menschen können? Warum gelingt mir das nicht? Warum werde ich beschimpft dafür? Warum gelte ich als faul, weil ich nicht arbeiten kann, weil ich die Schulausbildung nicht geschafft habe, weil ich Hausaufgaben nicht bewältige, weil ich ständig von Situationen und Menschen überfordert bin." Doch auch nach der Diagnose ist die Leidenszeit noch nicht vorbei. "Sie fühlen sich oft nicht als Teil der Gesellschaft, weil sie nicht verstanden werden. Weil man ihnen nicht ansieht, was für eine Behinderung sie haben", erklärt die Sozialpädagogin.

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Das Suchtgedächtnis des Kindes

Symbolbild: Alkohol in der Schwangerschaft
Symbolbild: Alkohol in der Schwangerschaft

Auslöser für die Krankheit ist der Alkoholkonsum von Müttern in der Schwangerschaft. "Wenn die Mutter mehr getrunken hat in einer bestimmten Phase der Schwangerschaft, ist das Suchtgedächtnis des Kindes getriggert. Und wenn es dann in der Pubertät anfängt, Alkohol zu trinken, dann merkt es häufig nicht, dass es keine Toleranz hat, dass es nicht aufhören kann und man ist dann viel, viel schneller abhängig", erklärt sie den Zusammenhang.

Alkoholverzicht schwierig, wenn sich der Partner jeden Abend eine Flasche Wein aufmacht

Kathleen Kunath wünscht sich nicht nur, dass Männer ihre schwangeren Frauen in der Schwangerschaft unterstützen und ebenfalls auf Alkohol verzichten, auch die Gesellschaft nimmt sie in die Pflicht. "Man muss sich nicht rechtfertigen, dass man keinen Alkohol trinkt." Ein "NEIN!" sollte respektiert werden. Auch ein "Nein" zu nur einem Glas. Und auch Hebammen und Gynäkologen stellt sie an den Pranger. "Wenn medizinisches Personal Alkohol trinken empfiehlt- nicht wissend, dass jedes Glas eine Auswirkung haben kann auf das Ungeborene, dann ist [die Krankheit] gar nicht in der Gesellschaft."