So groß wie eine Erbse: Forscher züchten künstliches Gehirn

Wissenschaftlern ist es gelungen, ein menschliches Hirn im Labor zu züchten.
Wissenschaftlern ist es gelungen, ein menschliches Hirn im Labor zu züchten.

19. August 2015 - 19:27 Uhr

Gezüchtete aus Hautzellen

Wissenschaftlern der Ohio State University ist es gelungen, ein bewusstloses Gehirn aus menschlichen Hautzellen zu züchten. Das berichtet der Sender 'ABC'. Das Organ sei etwa so groß wie eine Erbse und in etwa vergleichbar mit dem Gehirn eines fünf Wochen alten Fötus, erklärten die Forscher. Ansonsten sei es aber voll entwickelt.

Die Ergebnisse der Arbeit wurden auf dem '2015 Military Health System Research Symposium' in Florida präsentiert. Erstmals sei es geglückt, aus den Hautzellen eines erwachsenen Menschen ein komplettes Gehirn im Labor zu züchten. Wie genau die Wissenschaftler bei dem Experiment vorgegangen sind, wollen sie noch nicht verraten, denn sie haben Patent auf die Methode angemeldet.

Hilfreich im Kampf gegen Schlaganfällen, Alzheimer und Parkinson

Alle Teile des Gehirns seien mithilfe der Hautzellen reproduziert worden. Der US-Wissenschaftler Rene Anand, der das Projekt leitet, sagte: "Es sieht nicht nur aus wie ein Gehirn, es entwickelt all die Gene, die dabei helfen, ein Gehirn zu bilden, und damit meine ich, dass das ganze Ding vom Kortex bis zum Rückenmark vorhanden ist." Lediglich das Bewusstsein würde diesem künstlich erzeugten Gehirn fehlen.

Von der bahnbrechenden Entwicklung erhoffen die Wissenschaftler sich Erkenntnisse über den Aufbau des menschlichen Gehirns. "Es verschafft uns unglaubliches Wissen darüber, wenn etwas schief läuft, was genau dort schief läuft. Vielleicht werden wir so eines Tages verstehen, wie wir es reparieren können", sagte Anand dem Sender.

Das Projekt ist noch nicht beendet. Die Forscher haben vor, das Organ noch weiterzuentwickeln. Als nächstes soll das Labor-Gehirn ein künstlich gezüchtetes Gefäßsystem erhalten und mit Blut versorgt werden. So wollen die Wissenschaftler Ursachen für Schlaganfälle, Alzheimer, Parkinson und andere neurologische Krankheiten erforschen. Mithilfe des Models lasse sich aber auch überprüfen, welchen Einfluss Alkohol und Zigaretten auf die Hirnentwicklung eines ungeborenen Kindes im Mutterleib haben.