So geht es nicht weiter: Immer mehr Drogentote in Deutschland

11. Mai 2017 - 10:57 Uhr

Steigende Qualität, sinkende Preise

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist erneut gestiegen. Im letzten Jahr starben 1.333 Menschen durch den Konsum von Rauschgift. 84 Prozent der Toten sind männlich und im Schnitt 38 Jahre alt. Das geht aus einem Bericht der Bundeskriminalamts und der Bundesregierung hervor. Vor einigen Jahren ging die Zahl der Todesfälle noch zurück, seit 2012 sterben aber immer mehr Menschen durch Drogen. Die Entwicklung ist alarmierend.

"Wir brauchen noch umfassendere Hilfen für Abhängige"

Auch die Zahl der registrierten Drogendelikte wie Handel oder Beschaffungskriminalität stieg um sieben Prozent auf 302.592 Fälle im letzten Jahr. "Eine einfache Erklärung für den Anstieg der Todeszahlen gibt es nicht", erklärte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU). Sie ist der Ansicht, dass vor allem die große Bandbreite der verfügbaren Substanzen zu Problemen führe. Viele Todesfälle seien auf die gleichzeitige Einnahme verschiedener Rauschmittel zurückzuführen. "Wir brauchen noch umfassendere Hilfen für Abhängige und deren Angehörige", forderte die Drogenbeauftragte.

2015 gab es noch 1.226 Drogentote, 2016 stieg die Zahl dann um neun Prozent. Doch warum sterben immer mehr Menschen durch ihren Drogenkonsum? Experten gehen auch davon aus, dass die steigende Qualität der verbotenen Substanzen und sinkende Preise dafür verantwortlich sind. Die Süchtigen können sich ganz einfach mehr und qualitativ hochwertigeren Stoff leisten als noch vor einigen Jahren. "Dass die Substanzen immer reiner und preiswerter werden, zeigt, dass wir mit der Verbotspolitik an diesem Ende nicht weiter kommen", sagte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Er forderte ein Umdenken in der Drogenpolitik.

"Es ändert sich nichts"

Vor allem Heroin ist nach wie vor ein Problem, aber auch sogenannte Legal Highs – ganz neu entwickelte chemische Drogen, die noch nicht gesetzlich verboten werden konnten – sind für viele Todesfälle verantwortlich. So geht es nicht weiter, meint Gaßmann. Der Suchtexperte sieht dringenden Handlungsbedarf bei den Regierungen von Bund und Ländern. "Seit Jahren steigen die Zahlen der Drogentoten und seit Jahren klagen Politiker darüber - aber es ändert sich nichts", kritisierte Gaßmann.

Konkrete Vorschläge, mit welchen Maßnahmen man dem Trend entgegen wirken kann, gibt es auch: Die gesundheitliche Versorgung von Suchtkranken in Gefängnissen muss beispielsweise besser werden. Viele Drogentote waren abhängige Häftlinge. Häufig sterben sie kurz nach ihrer Entlassung an einer Überdosis, weil sie hinter Gittern entweder gar nicht oder nur unzureichend mit dem Heroin-Ersatz Methadon versorgt werden.