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So gefährlich sind Kinder-Dschihadisten für Deutschland: RTL-Terrorismus-Experte Michael Ortmann im Interview

RTL-Terrorismus-Experte Ortmann im Interview
RTL-Terrorismus-Experte Ortmann im Interview "Irgendwann müssen wir deutsche Dschihadisten aufnehmen" 02:08

Welche Gefahr geht von Kinder-Dschihadisten aus?

Der sogenannte Islamische Staat (IS) hat in den vergangen Monaten große Teile seiner Gebiete verloren. Nun warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz: Viele radikalisierte Kämpfer könnten in der nächsten Zeit in ihre Heimatländer zurückkehren – darunter auch viele Deutsche. Ein besonderes Sicherheitsrisiko seien dabei Kinder, die vom IS zum Terror ausgebildet wurden. Warum sind gerade diese Minderjährigen als Waffe so gefährlich? Welche Gefahr bedeuten sie für Deutschland? Und was können Behörden tun, um die Gefahren zu minimieren? Unser RTL-Terrorismus-Experte Michael Ortmann schätzt die Lage im Video ein und klärt die wichtigsten Fragen.

Von Larissa Schmitz und Tobias Kilwing

Zurückkehrende Dschihad-Kinder stellen ein Sicherheitsrisiko dar

Von den Geschehnissen des Kriegs traumatisiert, von den Parolen verblendeter Terroristen radikalisiert: Zurückkehrende Dschihad-Kinder stellen ein enormes Sicherheitsrisiko dar. "Damit könnte auch hier eine neue Dschihadistengeneration herangezogen werden", so Hans-Georg Maaßen, Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz im Interview mit 'Spiegel Online'.

Bereits in der Vergangenheit zeigte sich in Deutschland die Gefahr, die von radikalisierten Kindern ausgeht. Allein im Jahr 2016 wurden drei Terroranschläge in Deutschland von Minderjährigen verübt.

Doch können die zum Terror ausgebildeten Kinder tatsächlich nun einfach nach Deutschland zurückkehren? Und mit wie vielen solcher Rückkehrer müssen wir rechnen?

Etwa 50 Kinder aus Deutschland haben sich dem IS angeschlossen

Bild aus einem Propagandavideo des Islamischen Staats
Mit Propagandavideos versucht der Islamische Staat, die Kinder zu erreichen und zu radikalisieren © SITE Intelligence Group

Rund 1.000 Deutsche seien laut Experten in den Krieg nach Syrien und in den Irak gezogen sein - darunter 200 Frauen und 50 Kinder. Kehren sie nun zurück nach Deutschland, ist die Bundesrepublik verpflichtet, sie wieder aufzunehmen. Näheres dazu erklärt Michael Ortmann im Video. Der Terrorismus-Experte sagt zudem, dass die Minderjährigen besonders wichtig für den islamischen Staat sind. Ohne die grausamen Machenschaften zu hinterfragen, seien sie besonders leicht zu beeinflussen: Propagandistisches Material zeigt etwa, wie Kinder in Kriegstechniken trainiert werden, an Hinrichtungen teilnehmen oder diese sogar selbst durchführen.

Kinder werden meist durch ihr häusliches Umfeld radikalisiert

Doch wie kommen Kinder überhaupt mit der Terrormiliz und ihren extremistischen Leitgedanken in Berührung? "Es gibt nicht den einen Radikalisierungsverlauf, es gibt nicht das eine Täterprofil und es gibt auch nie nur einen Grund, der zur Radikalisierung führt", so Ortmann. Trotzdem sei davon auszugehen, dass vor allem Kinder im häuslichen Umfeld durch den Einfluss von Vorbildfiguren wie Eltern oder Geschwistern mit terroristischem Gedankengut konfrontiert werden. Erst später komme Propagandamaterial aus dem Internet und auf sozialen Medien ins Spiel.

Die Deradikalisierung der Terrorkinder ist teuer und aufwendig

Kehren die Kinder zurück in ihr Heimatland, sind sie meist tieftraumatisiert. Trotzdem versuchen deutsche Behörden alles, um die Kinder wiedereinzugliedern, was eine enorme Herausforderung darstellt. Es gibt jedoch Hoffnung, dass radikalisierte Kinder nach einer intensiven Betreuung und Beschäftigung ein möglichst normales Leben führen können.

So berichtet 'Stern Online' von dem mittlerweile 13 Jahre alten Jungen, der im November 2016 als ‚Terrorkind von Ludwigshafen‘ bekannt wurde. Damals hatte der deutsch-irakische Junge auf einem Weihnachtsmarkt eine Nagelbombe platziert, die glücklicherweise nicht explodierte.

Seit März dieses Jahres ist er in intensiver Behandlung - betreut von vier Sozialpädagogen, zwei Psychologen, einem Lehrer für Einzelunterricht sowie einem Sicherheitsbeamten, der die Unterbringung 24 Stunden bewacht. Ein riesiger Aufwand, verbunden mit enormen Kosten. Die Behörden aber ziehen ein positives Fazit: "Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass er wieder Kind sein kann", so die Jugenddezernentin von Ludwigshafen Cornelia Reifenberg. Diese Bilanz stimmt zwar positiv, jedoch handelt es sich hier um einen Einzelfall. Flächendeckende Pläne, wie mit zurückkommenden, radikalisierten Kindern umgegangen werden soll, gibt es bislang nicht.

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