So denken Sie über aktive Sterbehilfe: "Ich sehe das Leid jeden Tag"

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Wenn es nach der Mehrheit von Ihnen geht, sollte das gesetzlich geändert werden.
© dpa, Sebastian Kahnert

14. November 2014 - 8:09 Uhr

Von Linda Görgen

Aktive Sterbehilfe ist aktuell nicht nur Thema im Bundestag, auch Sie diskutieren schon seit Wochen und insbesondere heute auf der RTL-Aktuell-Facebook-Seite über den Vorstoß, das Gesetz zu lockern. Und dabei teilt die große Mehrheit die Ansicht, dass aktive Sterbehilfe in Deutschland erlaubt werden sollte.

Daniela Günzel findet, dass jeder, der gegen Euthanasie ist, selbst einmal dabei sein sollte, "wenn ein sterbender Mensch seine letzten Stunden unter Schmerzen schreiend erleiden muss. Ich habe es erlebt und würde jederzeit Sterbehilfe leisten, wenn ich dürfte. Ein Mensch muss sein Leben leben, ohne dass er gefragt wird. Dann lasst es ihn wenigstens beenden, wenn er nicht mehr kann." Petra J. hat uns in einer Mail geschildert, wie gleich mehrere ihrer Familienmitglieder qualvoll sterben mussten und wie sie eine Nonne anflehte, ihr Morphium zu geben, um ihre Schwester, die Krebs im Endstadium hatte, zu erlösen. "Sie selbst schrie: Bitte helft mir! Ich kann nicht mehr! Die Schmerzen, die Schmerzen. Ich will sterben." Helfen durfte sie ihr nicht.

Elke Cappu erzählt, dass Sie in einem Altenheim arbeitet. "Ich sehe das Leid jeden Tag (...) Jeder Mensch muss das Recht haben, zu entscheiden, wann es für ihn richtig ist zu gehen. Ich habe schon Menschen (…) erlebt, die einfach das Essen verweigerten, weil sie keine andere Möglichkeit sahen, in Würde zu sterben."

"Ich sehe nicht ein, einen qualvollen Tod zu sterben"

"Als Diabetiker weiß ich, wie die meisten anderen Chroniker auch, wie mein Ende aussehen wird. Was für eine Qual, was für eine Agonie auf mich wartet. Ich sehe nicht ein, einen qualvollen Tod zu sterben. Darum sorgte ich vor, damit ich selbst entscheiden kann, wann das Leid zu viel wird. Wenn nun der Bundestag tatsächlich ein Gesetz formuliert, dass einem ärztliche Assistenz beim letzten Tag versichert, freue ich mich. Denn meine Lösung wäre zwar schnell und schmerzlos, aber 'ne ziemliche Sauerei", schrieb uns Thomas Traub in einer Email.

Liane Behrens argumentiert: "Für mich ist das ganz einfach: 'I. Die Grundrechte, Artikel 1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.' Nicht mehr und nicht weniger. Und das heißt auf keinen Fall, dass ich von Dritten fremdbestimmt werden will, wenn es um meine alleinige Entscheidung gehen sollte, ob mein Leben für mich - und für meine Angehörigen - noch einen Wert und Sinn hat. Genauso wenig wie ich das für andere entscheiden wollte - weil ich das auch gar nicht könnte. Es sollte jedem Menschen selbst überlassen werden, wann er gehen will, wann er dem 'Himmel' näher sein will als der 'Hölle' - für sich selbst und für die Menschen, die ihm nahe stehen."

Nur drei unserer Facebook-User schrieben bislang, dass sie gegen eine Lockerung der Sterbehilfe seien – jedoch leider ohne Begründung.



Linda Görgen entdeckte schon während der Schulzeit den Journalismus für sich, als sie bei der Lokalzeitung in ihrer niederrheinischen Heimat erstmals Redaktions-Luft schnupperte. Nach dem Studium und einem Volontariat beim Fernsehen zog es sie zunächst nach London, wo sie im RTL-Außenstudio hospitierte. Sie ist bereits seit 2007 festes Mitglied der Redaktion - anfangs als Studentin, später als Redakteurin. Hier kümmert sie sich zudem um die Betreuung der Praktikanten. Nach Feierabend trifft man sie beim Sport, beim Eishockey und auf Konzerten, wenn sie nicht gerade den Koch- oder Backlöffel schwingt. Letzteres auch sehr zur Freude ihrer Kollegen.