Smoothies statt Krankenhaus: Kleinkind stirbt an Hirnhautentzündung

Ärzte hätten das Kleinkind retten können
Ärzte hätten das Kleinkind retten können
© picture alliance / blickwinkel/M, McPHOTOf

06. Mai 2016 - 11:39 Uhr

Paar hat noch drei weitere Kinder

Der Fall ist unglaublich: Ein kanadisches Ehepaar behandelte sein schwer krankes Kind mit Gemüseshakes, statt einen Arzt herbeizurufen. Nach zweieinhalb leidvollen Wochen starb ihr 19 Monate alter Sohn im März 2012 an einer Hirnhautentzündung. Die Eltern mussten sich nun wegen Verletzung der Fürsorgepflicht vor Gericht verantworten.

Bei ihrer Anhörung beteuerten David (32) und Collet Stephan (35) ihre Unschuld. Angeblich glaubten sie, dass ihr Sohn Ezekiel nur an einer gewöhnlichen Grippe oder an Pseudokrupp erkrankt sei. Beide stellten sich als liebevolle und verantwortungsbewusste Eltern dar, die einfach nicht erkannten, wie schlimm es um ihren Sohn stand.

Bis zu fünf Jahre Haft

David und Collet Stephan haben noch drei weitere gemeinsame Kinder. Das Ehepaar führt eine Firma für Naturheilmittel und steht Impfungen kritisch gegenüber. Aus diesen Überzeugungen heraus verabreichten sie ihren kleinen Sohn nur alternativmedizinische Mittel. Dazu gehörten laut der britischen 'Huffington Post' vor allem selbstgebraute Säfte und Sirups aus Paprikaschotten, Knoblauch, Zwiebeln und Meerrettich.

Als das Ehepaar einen Heilpraktiker und eine Hebamme hinzuzog, empfahlen ihnen beide, einen Kinderarzt aufzusuchen. Die Hebamme äußerte sogar den Verdacht, dass ihr Kind an einer Hirnhautentzündung leidet. Doch David und Collet Stephan schlugen alle Ratschläge und Warnungen in den Wind: Sie hielten an der Alternativmedizin fest, obwohl sich der Zustand ihres Sohnes nicht verbesserte.

Am Ende war Ezekiels kleiner Körper ganz steif, er aß und trank nichts mehr. Daraufhin flößten ihn seiner Eltern mit einer Pipette Säfte und Sirups ein, die sein geschwächtes Immunsystem stärken sollten. Erst als ihr Sohn nicht mehr atmete, fuhren sie mit ihm ins nächste Krankenhaus. Doch es war bereits zu spät: Die Ärzte konnten bei Ezekiel kaum noch Hirnaktivitäten feststellen. Kurz darauf war der kleine Junge tot.

Experten erklärten vor Gericht, dass der kleine Junge an einer Hirnhautentzündung litt, die durch Bakterien hervorgerufen wurde. Wäre Ezekiel mit Antibiotika behandelt worden, hätte er überlebt.

Die Jury verhandelte fünf Stunden lang. Am Ende befand sie das Ehepaar wegen Verletzung der Fürsorgepflicht für schuldig. Das Strafmaß gab die Jury noch nicht bekannt, aber beiden droht nun eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.