'Smart Sheriff App': Eltern in Südkorea überwachen die Smartphone-Nutzung ihrer Kinder rund um die Uhr

15. Juni 2015 - 20:11 Uhr

App schickt Standort und Alarmsignale bei brisanten Recherchen

Die 'Smart Sheriff App' ist in Südkorea Gesetz – und zwar für alle Minderjährigen des Landes, die ein Smartphone besitzen. Die App ist eine neue Spionage-App für Eltern, die sie auf dem Handy ihrer Sprösslinge installieren. Mit Hilfe der App können sie dann 24 Stunden täglich genau überwachen, was ihre Schützlinge auf dem Handy so treiben. Wann sie sich durch Spiele vom Hausaufgabenmachen ablenken oder auf welchen Seiten sie surfen. Gefällt den Eltern während ihrer Spionage nicht, was die Kinder gerade auf dem Handy machen, können sie Internetseiten oder Spiele sogar blockieren.

Mutter kontrolliert Kind
Mit der 'Smart Sheriff App' überwachen Eltern in Südkorea die Smartphone-Nutzung ihrer Kinder.

Wie 'welt.de' berichtete, hat die Regierung im April diesen Jahres für die obligatorische App auf jedem Handy eines Minderjährigen gestimmt. Laut Gesetz muss die App sofort nach dem Smartphone-Kauf auf dem Handy des Kindes installiert werden, um die Kinder vor Pornografie oder anderen bedenklichen Inhalten des Internets zu schützen, heißt es. Eltern in Südkorea sind begeistert von der Funktion: "Es sind ja noch Kinder und da sollten die Eltern schon wissen was ihre Sprösslinge so den ganzen Tag treiben. Ich finde es ist unsere Pflicht auf sie aufzupassen", findet die Mutter eines 13-jährigen Koreaners. Ganze 72 Prozent aller Grundschüler haben in Südkorea schon ein Smartphone dabei, bei den Teenagern liegt die Zahl noch höher.

Kritiker warnen vor Folgen der App

Alternativ kann man aber auch eine andere Überwachungs-App auf dem Handy der Kinder installieren, denn davon gibt es in Südkorea mittlerweile genug Angebote. Andere Apps schicken sogar den Standort des Kindes mit oder schlagen Alarm, wenn das Kind Schlagwörter wie 'Schwangerschaft' oder 'Selbstmord' im Internet eingibt.

Gegner der App, die in Südkorea gezwungenermaßen schon eine halbe Millionen Kinder nutzen, warnen vor Persönlichkeitsstörungen der Kinder, die sich durch das ständige Gefühl der Überwachung entwickeln könnten. Die App sei ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Kinder, so Experten. Außerdem hat das Kind permanent das Gefühl aufpassen zu müssen, was genau es mit seinem Smartphone macht. Informative Entdeckungsreisen im Internet über brisantere Themen sind tabu.

In Deutschland wäre solch eine Überwachungs-App laut Experten sogar technisch auch möglich, gesetzlich aber kaum vorstellbar.