Slowenien schafft Homo-Ehen wieder ab

23. Dezember 2015 - 10:42 Uhr

Bereits beschlossenes Gesetz wird zurückgenommen

Es ist ein Erfolg für die Opposition und die Katholische Kirche in Slowenien: Denn die Mehrheit der Bürger Sloweniens haben sich in einem Referendum gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen. Die Regierung erleidet damit eine Niederlage.

Slowenien und Homo-Ehe
Slowenien hat ein Gesetz zur Homo-Ehe gekippt. (Symbolbild)
© imago/UPI Photo, imago stock&people

63,5 Prozent der Abstimmenden sprachen sich für ein klares Nein zu dieser Lebensform aus, 36,5 votierten mit ja. Dies teilte die staatliche Wahlkommission des EU-Landes nach Auszählung fast aller Stimmen in Ljubljana mit. Die Abstimmung ging von der Opposition und der Katholischen Kirche aus. An dem Referendum beteiligten sich etwa 36 Prozent der Wahlberechtigten. Damit ein Volksentscheid in Slowenien gültig ist, müssen sich mindestens 20 Prozent am Referendum beteiligen. Die Gegner der Homo-Ehe erzielten 342.000 Stimmen - was einem Fünftel aller 1,7 Millionen Stimmberechtigten entspricht. Das Nein-Lager kam demnach auf insgesamt gut 392.000 Stimmen. Die Befürworter von Ehen zwischen Lesben und Schwulen erzielten 225.000 Stimmen.

Bei dem Referendum wurde darüber abgestimmt, ob das Gesetz zur Einführung der Homo-Ehe umgesetzt oder zurückgenommen werden muss. Im März hatte eine große Mehrheit aus linken Abgeordneten und Abgeordneten der Partei von Ministerpräsident Miro Cerar für das Gesetz gestimmt. Das Gesetz betrifft auch Kinder, die ein Teil des homosexuellen Paares mit in die neue Ehe gebracht hat. Sie durften nach dem Gesetz in dieser Verbindung aufwachsen. Gerade das sorgte für Konflikte.

Der Kirche nahestehende Bürgerverbände hatten gewarnt, Kinder und Jugendliche würden Nachteile beim Aufwachsen in Ehen von Schwulen oder Lesben erleiden. Dem hielten Regierungsanhänger entgegen, Slowenien schaffe mit einem Nein eine "Diskriminierungsgesellschaft".

Gleichgeschlechtliche Ehen sind bislang von mehr als zwei Dutzend Staaten in Europa erlaubt worden. Die Niederlande waren 2001 mit der weltweit ersten standesamtlichen homosexuellen Ehe der Vorreiter. Seitdem folgten Länder wie Belgien, Dänemark, Schweden und Finnland, aber auch große Flächenstaaten wie Frankreich und Großbritannien im Jahr 2013. Selbst in vorwiegend katholischen Ländern wie Spanien (seit 2005) und Portugal (seit 2010) dürfen Schwule und Lesben im Standesamt die Ehe schließen.