Was steckt dahinter?

Skrupelloses Corona-Geschäft mit gefälschten Impfpässen

04. Mai 2021 - 15:18 Uhr

Im Video: Vorsicht Fälschung und wie man sie erkennt!

Die Corona-Impfung soll uns schon sehr bald wieder zurück zur Normalität führen und uns gewohnte Freiheiten zurückgeben. Es braucht nur einen Nachweis: Den Impfausweis! Doch mit diesem soll nun ein skrupelloses Geschäft mit Fälschungen betrieben werden. Die Kollegen von RTL EXTRA haben eine erschreckende Recherche erlebt, die am Ende sogar die Polizei auf den Plan ruft.

Telegram ist das neue Darknet für illegale Geschäfte

Angeblich soll es im Internet ganz einfach sein, gefälschte Impfausweise zu kaufen - ausgerechnet jenes Dokument, das demnächst über unser aller Freiheit bestimmen soll. Aber fällt das nicht auf? Die Recherchen der RTL-Reporter Giuliano Spagnolo und Burkhard Kress kommen zu einem eindeutigen Ergebnis.

Mit gefälschten Impfpässen wollen Kriminelle schnelles Geld machen. Während ihrer Arbeit stoßen die Kollegen schnell auf Anbieter wie "Der Impfdoctor" oder "Impfzentrum", bei denen man angeblich einen Pass bekommen kann. Kontaktieren kann man sie unter anderem über Telegram, einer verschlüsselten Nachrichten-App, die ähnlich wie WhatsApp funktioniert und auch ein neues Portal für viele Kriminelle geworden ist. Versprochen werden den Kollegen Impfausweise mit eingetragener Corona-Schutzimpfung. Sogar Ausweise mit Stempel von Impfzentren direkt aus Köln. Polizeihauptkommissar Peter Hessel kennt die Fälscherszene wie kaum ein anderer und weiß, dass die, die dahinter stecken, nur schnelles Geld machen wollen:

"Die Betrüger sehen halt 100 Stück werden verkauft für 600 Euro. Also machen sie sich selbst 100 Stück und verkaufen sie für 500 Euro. Haben eingesetzt etwa 20 Euro Materialkosten - da sind sie dann bei 580 Euro Eigengewinn."

Mit einem Fälscher schreibt unser RTL-Reporter Giuliano Spagnolo bis tief in die Nacht. Er bekommt Anweisungen, wie er einen Ausweis bei ihm kaufen kann. Überweisungen werden per sogenannter Bitcoins getätigt, einer virtuellen Währung, die die wahren Sender und Empfänger von Geldtransfers verschleiern kann. Giuliano bestellt einen Impfpass und schon drei Tage später bekommt er Post. Und tatsächlich: Im Briefumschlag befindet sich eine Impfbescheinigung zum Nachweis einer Corona-Impfung für 75 Euro. Ausgestellt ist die Bescheinigung angeblich durch das Impfzentrum "Hof" in Bayern. Der Stempel und die Unterschrift sehen täuschend echt aus!

Ist wirklich ein echtes Impfzentrum für die Fälschung verantwortlich?

RTL-Reporter Burkhard Kress macht sich auf den Weg zur besagten Adresse des Impfzentrums in Hof und will die Verantwortlichen zur Rede stellen. Er ist mit der Sprecherin Stefanie Schulze des Landkreises Hof verabredet. Zu dem Termin erscheint sie in Begleitung der Polizei. Zur vorgelegten Impfbescheinigung, sagt sie:

"Wir können Ihnen mitteilen, dass das hier nicht bei uns ausgestellt ist. Stempel, Datum, Chargennummer, Unterschrift ist auch nicht bekannt."

Bislang ist dem Landkreis noch keine Fälschung mit Impfbescheinigungen bekannt, daher werden sie den Tatbestand nun prüfen. Noch während des Interviews schaltet sich eine Spezialistin der kriminaltechnischen Untersuchung ein, die die gefälschte Bescheinigung als Spurenträger sicherstellt, um den Pass auf Fingerabdrücke zu prüfen. Auch Reporter Burkhard Kress muss eine Zeugenaussage und Fingerabdrücke abgeben. Die gesammelten Recherche-Ergebnisse sowie sämtliche Chatverläufe übergibt er zusätzlich der Polizei und Staatsanwaltschaft. UND die sind mittlerweile auf einer heißen Spur des Betrügers.

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