Sklaverei-Fall in London: Sind Opfer und Täter miteinander verwandt?

Der Sprecher von Scotland Yard, Kevin Hyland, geht mit seiner Behörde dem unfassbaren Verbrecher der modernen Sklaverei nach.
© dpa, Facundo Arrizabalaga

25. November 2013 - 19:26 Uhr

Sklavinnen und Peiniger hatten "gemeinsame Ideologie"

Ein unfassbares Verbrechen schockiert England und langsam kommen immer Details über den modernen Fall der Sklaverei in London ans Licht. Einem Medienbericht zufolge könnte es sich bei zweien der drei Opfer um Verwandte handeln. Laut der Zeitung 'Guardian' seien die 57-jährige Irin und die 30-Jährige Mutter und Tochter.

Vater der 30-Jährigen könnte zudem der 67-Jährige sein, den die Polizei zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau der Sklavenhaltung bezichtigt. Das vorübergehend festgenommene Ehepaar war in der Nacht zum Freitag nach eindringlicher Befragung gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Zudem wurde bekannt, dass der Hintergrund des Falls offenbar eine sektenähnliche Organisation ist. Die beiden älteren der drei Frauen seien mit dem 67 Jahre alten Tatverdächtigen über eine "gemeinsame politische Ideologie" in Kontakt getreten, teilte Scotland Yard mit.

Die 69-Jährige aus Malaysia und die 57 Jahre alte Irin hätten zusammen mit ihm in einer Art "Kommune" gelebt. Das zunächst festgenommene und später gegen Kaution wieder freigelassene Ehepaar sei in den 1960er Jahren aus Indien und Tansania nach Großbritannien gekommen. Die Polizei führte Nachbarschaftsbefragungen im Südlondoner Statteil Lambeth durch.

Die Polizei prüfe dem Bericht zufolge auch, warum die 30-Jährige, die nach Lage der Dinge ihr gesamtes Leben in Gefangenschaft verbracht hat, nicht vom sozialen Netz in Großbritannien aufgefangen wurde. Ihre Geburt sei offiziell registriert worden, es gebe aber keine Aufzeichnungen über die in Großbritannien üblichen Hausbesuche von Hebammen und Sozialarbeitern.

Tatverdächtige auf freiem Fuß

Umso erstaunlicher ist es, dass die beiden mutmaßlichen Täter nach nur einem Tag in Haft bereits wieder auf freiem Fuß sind – obwohl die Vorwürfe weiterhin aufrecht erhalten bleiben. Das Ehepaar - beide 67 Jahre alt – war unter dem Verdacht festgenommen worden, die Frauen im Alter von 30, 57 und 69 Jahren, etwa drei Jahrzehnte gegen deren Willen im Stadtteil Lambeth in Sklaverei gehalten zu haben. Die ausländischen Eheleute seien bereits 1970 einmal festgenommen worden. Man verfolge sie auch wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht, so die Behörde.

Zuvor war bekannt worden, dass die aus Sklaverei befreiten Frauen in London nach Darstellung der Polizei während ihres jahrzehntelangen Leids unter großem psychischen Druck gestanden haben. Die drei seien geschlagen worden, vor allem aber einer Art "Gehirnwäsche" ausgesetzt gewesen, teilte Scotland Yard mit.

Die drei Opfer aus Großbritannien, Irland und Malaysia wurden während ihrer Gefangenschaft geschlagen. "Wir wissen, dass es physische Gewalt gegeben hat", sagte Detective Inspector Kevin Hyland von der Spezialeinheit gegen Menschenhandel bei Scotland Yard. Sexuelle Ausbeutung habe jedoch keine Rolle gespielt. Sein Kollege Rodhouse sprach von "unsichtbaren Handschellen", die den Frauen angelegt worden seien. "Es ist nicht so offensichtlich brutal wie bei anderen Fällen, in denen Frauen eingesperrt wurden und ihnen nicht erlaubt wurde, das Gebäude zu verlassen", sagte er.

Es handele sich um ein Ausmaß an moderner Sklaverei, wie es der Londoner Polizei nach Angaben von Hyland noch nie untergekommen ist. Die drei Frauen, die laut Hyland wie "Haussklaven oder Zwangsarbeiter" lebten, waren bereits am 25. Oktober befreit worden. Seitdem werden sie von Experten betreut.

Der Londoner Fall sei nur "die Spitze eines ziemlich großen Eisbergs", sagte der Unterhaus-Abgeordnete Frank Field der BBC. Field ist Vorsitzender eines Parlamentsausschusses, der ein Anti-Sklaverei-Gesetz vorbereitet. Mit Versklavung, Menschenhandel und Zwangsarbeit in Großbritannien würden große Geldsummen verdient.