Deutsche Touristen in der Schweiz

Trotz Corona in den Skiurlaub nach St. Moritz: "Schlechtes Gewissen? Nein!"

25. Januar 2021 - 10:47 Uhr

Im Video: Darum fahren wir trotz Corona in den Skiurlaub

Leere Pisten, kein Gedränge an den Liften und traumhafter Pulverschnee: Die Bedingungen für einen schönen Skiurlaub im Schweizer Nobelort St. Moritz sind eigentlich perfekt – doch auch hier kämpft man gegen das Coronavirus. Viele Urlauber*innen wollen das offenbar nicht wahrhaben und stürmen trotzdem auf die Pisten. Warum sie auch in der Corona-Saison nicht auf ihren Ski-Urlaub verzichten wollten, hat uns ein deutscher Tourist im Video erklärt.

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Schweiz lässt Hotels und Skilifte auf

In St. Moritz herrscht im ganzen Ort Maskenpflicht. Die Lift-Kapazitäten wurden auf zwei Drittel heruntergefahren, Hütten und Restaurants dürfen Verpflegung nur To Go anbieten. Ein paar Einschränkungen gibt es also schon im Schweizer Luxus-Skiort, doch anders als in Deutschland sind die Pisten geöffnet – und im Gegensatz zu Österreich darf man auch im Hotel übernachten.

Die gesamte Schweiz gilt als Corona-Risikogebiet

Die Gelegenheit wollen einige Urlauber*innen aus Deutschland anscheinend nicht ungenutzt lassen – und ziehen ihren jährlichen Skiurlaub durch, obwohl in weiten Teilen der Welt und auch in Deutschland die Devise ganz anders lautet. Lockdown, Kontakte reduzieren, zu Hause bleiben? Das kommt für die Skibegeisterten hier nicht infrage. Die Schweiz ist zwar Risikogebiet und von Reisen wird dringend abgeraten, doch die Leute kommen trotzdem. Die anschließende Quarantäne bei Wiedereinreise nach Deutschland nimmt man offenbar in Kauf.

05.12.2020, Schweiz, St. Moritz: Zwei Skifahrer mit Mund-Nasen-Schutz fahren mit einem Sessellift. Aufgrund starker Schneefälle und starken Windes hat der internationale Skiverband (FIS) beschlossen, das heutige Super-G-Rennen der Frauen im Ski-Weltc
Die Pisten in St. Moritz sind verhältnismäßig leer. Die Lifte teilt man sich nur mit seiner Familie oder seinen Mitreisenden.
© dpa, Jean-Christophe Bott, jcb lix nwi

Für leere Pisten gibt es einen einfachen Grund

Ein schlechtes Gewissen habe sie deswegen nicht, erklärt eine Touristin im Gespräch mit RTL. Hier sei es ja schließlich leer, man könne gut Abstand halten und die Regeln befolgen, sowieso habe das Hotel ein ausgezeichnetes Hygienekonzept. "Ich stehe hier alleine und ich sehe ehrlich gesagt keine besondere Gefahr. "Wir passen auf", meint die Frau aus Köln.

Für die leeren Pisten gibt es einen einfachen Grund: Die meisten Leute bleiben zu Hause und verreisen nicht – schließlich wird überall davon abgeraten und aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Nur gemeinsam lässt sich das Virus besiegen, Stichwort Solidarität. Dazu kommt: Günstige Urlaubsgebiete sind schon lange dicht. Sich das Reisen überhaupt leisten zu können, ist in diesen Zeiten ein Privileg. Aber muss man es wirklich ausnutzen?

Zwei Luxus-Hotels in St. Moritz unter Quarantäne

Allerdings lässt sich auch in St. Moritz das Virus nicht vollkommen ausblenden. Zwei Luxus-Hotels stehen unter Quarantäne, die Gebäude dürfen nicht verlassen werden. Innerhalb des Hauses dürfe man sich aber frei bewegen und die "Angebote der Hotels nutzen", erklärt ein Sprecher des Ortes im Gespräch mit RTL. Abreisen darf man nur, wenn man einen negativen Corona-Test nachweisen kann.

18.01.2021, Schweiz, St. Moritz: Ein Polizeiauto steht vor dem Eingang des Hotel Kempinski. Das Badrutt's Palace und das Hotel Kempinski wurden wegen des mutierten Coronavirus unter Quarantäne gestellt. Am 19.01.2021 soll mit Massentests für die ganz
Das Grand Hotel des Bains Kempinski in St. Moritz steht zusammen mit dem "Badrutt's Palace" unter Quarantäne.
© dpa, Giancarlo Cattaneo, ge k_sim tba

St. Moritz führt Massentests durch - 31 Infektionen mit neuer Südafrika-Variante

Wegen der Ausbrüche in den Hotels hat das Örtchen nun auch Massentests für alle Tourist*innen veranlasst. Dabei seien 53 Corona-Infektionen entdeckt worden, wie die Behörden am Dienstag mitteilen. 31 davon gingen auf eine ansteckendere Virus-Mutation aus Südafrika zurück. 3.200 Personen wurden diese Woche getestet. Die 31 Infektionen mit der Virus-Variante seien bei dem Personal der Hotels festgestellt worden. "Es gab keine Übertragung an Hotelgäste", erklärten die Behörden. Woher aber die Angestellten die Variante aus Südafrika haben – man kann nur mutmaßen.