Rückkehr nach dem Tod ihres Vaters

Ski-Star Shiffrin emotional überwältigt: „Ich liebe Dich, Mom“

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22. November 2020 - 15:34 Uhr

Achterbahnfahrt der Gefühle

Drama, Tränen - und eine Liebeserklärung: Rückkehrerin Mikaela Shiffrin hat beim Doppelsieg von Dauerrivalin Petra Vlhova in Levi (Finnland) eine emotionale Achterbahnfahrt erlebt. Sie kämpfte verbissen - doch gegen ihre Emotionen war die 25.Jährige genau so machtlos wie gegen Vlhova. Sie müsse so vielen Menschen danken, sagte die Ski-Königin nach ihrem Weltcup-Comeback neun Monate nach dem dramatischen Unfalltod von Vater Jeff bewegt, eine Person stehe aber über allen: Mutter Eileen.

Noch nicht ganz die Alte

"Sie ist der einzige Grund, warum ich hier bin!" Hier, das war nach den schwierigsten Monaten im so erfolgreichen Leben der 25-jährigen Amerikanerin Platz zwei beim ersten von zwei Weltcup-Slaloms im finnischen Levi - nach 300 Tagen Rennpause und dem schweren Schicksalsschlag. Weil sich Shiffrin damit selbst überrascht hatte, schob sie via Social Media noch eine Liebeserklärung für die Frau Mama hinterher. "Du und ich... wir haben es hierher geschafft. So weit. Wir machen es... und zwar verdammt gut", schrieb sie: "Aber das Wichtigste ist: Wir machen es zusammen. Ich liebe dich, Mom!"

Dass Shiffrin "noch nicht ganz die Alte" war, wie ARD-Experte Felix Neureuther beobachtete, und im zweiten Rennen beim nächsten Vlhova-Sieg "nur" Fünfte wurde - geschenkt. Wichtig war allein die Rückkehr der Königin. "Sie ist technisch so eine Augenweide", schwärmte Neureuther, "es macht einfach so viel Spaß, ihr zuzuschauen."

Erfolg hat sich relativiert

Shiffrin wirkte wie befreit. "Es fühlt sich an wie mein erster Sieg", sagte sie nach Rang zwei; nur 0,18 Sekunden fehlten ihr auf Vlhova. "Vielleicht", sinnierte sie, "bedeutet das, dass ich nicht alles verloren habe. Meine Fähigkeit, schnell zu fahren, stark zu sein, hungrig und wettbewerbsfähig."

Ihr Erfolgsrezept? Sie habe vor der Rückkehr durchgespielt: "Was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn ich nicht gewinne?" Ihre Erkenntnis: "Dass die Medien oder meine Freunde und Familie enttäuscht sind. Aber das ist ja nicht schlimm! Das weiß ich jetzt."

„Sie erleuchtet den Himmel für mich“

Auch dank Mama Eileen, die ihr in den Monaten der Trauerarbeit vom Aufhören abgeraten hatte. "Sie gibt mir Mumm und Inspiration - und sie erleuchtet den Himmel für mich", sagte Shiffrin. Angesichts der langen Abwesenheit und der nervenaufreibenden Rückkehr durfte nicht verwundern, dass sie im zweiten Rennen etwas mehr zu kämpfen hatte. Stolze 0,93 Sekunden betrug ihr Rückstand da auf Vlhova, die ihren 16. Weltcupsieg holte. Schlechter platziert war Shiffrin in ihrer Spezialdisziplin zuletzt vor genau sechs Jahren als Elfte, ebenfalls in Levi.

RTL.de/sid