Skandalspiel in München: 1860 abgestiegen

Philipp Pentke hatte Glück, dass ihn keine Sitzschale getroffen hat
Philipp Pentke hatte Glück, dass ihn keine Sitzschale getroffen hat
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30. Mai 2017 - 20:58 Uhr

Löwen-Fans veranstalten große Randale

Mit einem Skandalspiel hat sich 1860 München aus der 2. Liga verabschiedet. Angesichts des drohenden Abstiegs rasteten die Anhänger der Löwen beim Relegationsrückspiel daheim gegen Jahn Regensburg beim Stand von 0:2 rund zehn Minuten vor Abpfiff aus.

Regensburg-Keeper Pentke war in großer Gefahr

Eisenstangen und Sitzschalen flogen in den Strafraum, ein Großaufgebot der Polizei versuchte, die Spieler zu schützen. Knapp eine Viertelstunde lang musste das Spiel gegen Regensburg unterbrochen werden, weil wütende Fans der Sechziger alles aufs Spielfeld warfen, was ihnen in die Hände kam.

"Das war schon ein bisschen crazy", sagte Regensburgs Keeper Philipp Pentke nach dem 2:0-Sieg seines Teams in der ARD: "Man kann den Frust ein bisschen verstehen, aber dass es so ausartet." Schiedsrichter Daniel Siebert musste die Partie unterbrechen, weil Gegenstände aus der Löwen-Kurve aufs Feld flogen. Polizei marschierte auf, Co-Trainer Daniel Bierofka versuchte vergeblich, die Gemüter zu beruhigen. Nach 14 Minuten Pause pfiff der Referee wieder an, doch Sitze und Stangen landeten weiter auf dem Platz und verfehlten nur knapp die Spieler. Pentke musste mehrmals seinen Strafraum  aufräumen.

Die Löwen stürzten unter skandalösen Umständen zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert in die 3. Liga und sehen in eine ungewisse Zukunft. "Ich bin unendlich traurig", sagte 1860-Kapitän Kai Bülow, "es ist unheimlich bitter, es tut mir sehr leid." Andere Sechziger wollten sich nicht äußern.

Jubel bei den Regensburgern

Der schon beim 1:1 im Hinspiel am Freitag klar bessere Jahn feierte vier Jahre nach dem Abstieg ein Comeback in der 2. Liga. Nach den Toren von Kolja Pusch (30.) und Marc Lais (41.), der vier Tage zuvor in Regensburg nach 107 Sekunden getroffen hatte, jubelten die Regensburger nach dem verspäteten Schlusspfiff ausgelassen vor den 7.000 mitgereisten Fans.

In der neunten Relegation setzte sich damit zum siebten Mal der Drittligist durch. Vorgänger von Regensburg waren unter anderem die späteren Bundesligisten SC Paderborn, FC Ingolstadt und Darmstadt 98. Regensburg war 2013 aus der 2. Liga abgestiegen und sogar bis in die 4. Liga durchgereicht worden. Nun gelang der Durchmarsch zurück. Der erste Abstieg in die Drittklassigkeit seit 1992 hat für die Löwen vorerst unabsehbare Folgen. Investor Hasan Ismaik will weitermachen, hatte aber in einer Art Brandbrief am Montag schon angekündigt, keinen Stein auf dem anderen zu lassen.