Skandal um VW: Imageschaden für 'Made in Germany'

25. September 2015 - 15:00 Uhr

"Wir haben Mist gebaut"

"Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut." Das waren die Worte von VWs Amerika-Chef Michael Horn, als er sich zu den Abgasmanipulationen bei VW-Dieselfahrzeugen äußerte. Die ersten Konsequenzen dieser Unehrlichkeit folgten auf dem Fuß. Die VW-Aktie bricht den zweiten Tag in Folge ein, und zieht den ganzen Dax mit sich. Die US-Justizbehörden wollen ermitteln. Neben den USA fordern nun auch weitere Länder Aufklärung über eventuelle Vorgänge in ihren Ländern.

Skandal um VW: Imageschaden für 'Made in Germany'
VW: Es drohen stürmische Zeiten
© dpa, Julian Stratenschulte

Andere weiterreichende Folgen des Betruges sind noch nicht abzusehen – von einem Generalverdacht für die deutsche, wenn nicht gesamte Automobilbranche bis hin zu einem empfindlichen Imageschaden für eine viel größere 'Marke' als VW, nämlich 'Made in Germany', fast eine Art Qualitätssiegel, für das zu einem großen Teil eben auch Volkswagen steht.

So warnte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einer Beschädigung des Qualitätsbegriffs 'Made in Germany'. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagte der 'Bild'-Zeitung, darüber hinaus könnten "auch andere deutsche Exporteure Schaden nehmen, denn VW war bisher ein Aushängeschild für Produkte 'Made in Germany'". Es müsse nun dringend "um Schadensbegrenzung für VW und für deutsche Exporteure allgemein gehen". Ähnliche Sorgen hatte zuvor auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel geäußert, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) forderte eine schnelle Aufklärung im VW-Skandal.

Volkswagen hat bei internen Prüfungen Unstimmigkeiten in den Messwerten bei weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen eingeräumt. Bei den betreffenden Modellen gebe es "auffällige Abweichungen" zwischen den Messwerten bei Tests und im regulären Fahrbetrieb, berichtete das Unternehmen. Der Verlust des Börsenwertes von VW liegt mittlerweile bei etwa 14 Milliarden Euro. Dies zwang den größten europäischen Autobauer zu einer Gewinnwarnung, im dritten Quartal würden wegen des Skandals rund 6,5 Milliarden Euro "ergebniswirksam zurückgestellt". Der Imageverlust nährt inzwischen auch Sorgen vor möglichen Konsequenzen für die Arbeitsplätze.

ADAC: Unterschiedliche Teststandards

Von den Vorfällen in den USA alarmiert kündigte das südkoreanische Umweltministerium an, im Oktober Tests auf die europäische Abgasnorm Euro 6 bei Modellen der Marken Volkswagen und Audi durchzuführen. "Wir sind besorgt, dass die Modelle die gleichen Abgastechnologien und Kontrollstrategien wie die US-Versionen vorweisen." Das Ministerium betonte, dass es sich bei den geplanten Tests der VW-Modelle Jetta, Golf und Beetle sowie des Audi A3 um Sonderuntersuchungen handelt. Auch die australischen Behörden verlangen Aufklärung von VW. Der Konzern müsse klären, ob betroffene Modelle auch in Australien verkauft worden seien.

Umweltschutzexperten fragen sich unterdessen, ob VW wirklich der einzige Autobauer ist, der mit einer Betrugs-Software die Abgaswerte schönte. Auch wenn BMW und Mercedes Manipulationen in ihren Unternehmen ausgeschlossen haben: Die Skepsis ist da. Daniel Rieger vom Naturschutzbund Deutschland sagte: "Ich erwarte 'ne Ausweitung des Skandals. Also da sind dann möglicherweise auch noch andere Marken, andere deutsche Marken von betroffen."

Der Automobilclub ADAC teilte nach Bekanntwerden der Manipulationen mit, dass es schon seit immer wieder auffällige Abweichungen bei Abgastests auch in Deutschland gibt. Seit 2003 überprüfe man jährlich 150 Autos auf das Kohlenstoffdioxid sowie die Schadstoffe, die sie abgeben. "Das sagen wir seit Jahren, dass die Herstellerwerte nicht stimmen", berichtete ein Sprecher. Das liege daran, dass der ADAC bei den Abgas- und Verbrauchsmessungen strengere Maßstäbe anlege. "Da wird nicht betrogen aus unserer Sicht. Der legale Rahmen in Deutschland ist einfach zu lasch."

Diese Tatsache könnte eine mögliche Erklärung sein, denn "die Grenzwerte in den USA sind tendenziell strenger als in Europa", wie der Motorenexperte Prof. Helmut Tschöke von der Universität Magdeburg sagt. Es komme entscheidend darauf an, wie die Abgaswerte ermittelt werden. In sogenannten Testzyklen werden verschiedene Fahrten simuliert: Stadtfahrten, Überlandfahrten, mit warmem Motor, unter Sonneneinstrahlung und mit vielen anderen festgelegten äußeren Umständen.

Diese Tests laufen immer nach einem festen Schema ab - in den USA und Europa sehen sie aber unterschiedlich aus und führen deshalb in der Regel auch zu unterschiedlichen Ergebnissen darüber, wie viele Schadstoffe in Autoabgasen enthalten sind. Bei Dieselfahrzeugen kämen immer wieder Abweichungen von den aktuellen Euro-Grenzwerten vor. Der ADAC fordert eine neue gesetzliche Regelung zur Abgasmessung.