"Bewohner unter unmenschlichen Bedingungen gefunden"

31 Tote in kanadischem Altenheim - Pfleger aus Angst vor Coronavirus geflohen

A resident looks out her window at a senior's long-term care facility during the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Montreal
© REUTERS, CHRISTINNE MUSCHI, CM/ELO

21. April 2020 - 15:36 Uhr

Skandal um Altenheim Herron in Dorval

31 Tote in einer Seniorenresidenz bei Montréal innerhalb von wenigen Wochen: Im Laufe der vergangenen drei Wochen kamen immer mehr erschreckende Details über Missstände in dem privaten Altenheim Herron in Dorval ans Licht. Fast alle Pflegekräfte hatten das Heim verlassen, als Vertreter der lokalen Gesundheitsbehörden Ende März dort eintrafen. Aus einer Sammelklage geht hervor, dass sich zuletzt eine Krankenschwester und zwei Pfleger um 130 Bewohner gekümmert haben sollen. Die Polizei und das Gesundheitsministerium ermitteln.

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Quebecs Premier spricht von "grober Fahrlässigkeit"

Am 26. März war ein Bewohner in ein Krankenhaus eingeliefert worden, wo er positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurde und starb. In der Folge versuchte die lokale Gesundheitsbehörde, Zugang zu dem Heim zu bekommen. Erst am 10. April stellte sich heraus, dass seit dem 13. März 31 Menschen in dem Heim gestorben waren, wie der Premierminister von Québec, Francois Legault, erklärte. Mindestens fünf der Toten waren mit dem Coronavirus infiziert. Die Todesursache der 26 anderen ist weiter unklar. Legault sprach mit Blick auf das Altenheim von "grober Fahrlässigkeit", wie lokale Medien berichteten.

Eine am Freitag eingereichte Sammelklage zeichnet ein verstörendes Bild über die Umstände in dem Heim. "Die Bewohner wurden unter völlig unmenschlichen Bedingungen gefunden: Einige waren entkleidet, stark unterernährt, dehydriert, ohne ihre Medikamente und wurden in ihren Fäkalien und Urin zurückgelassen, wodurch ein Geruch entstand, der sich durch die Einrichtung zog", heißt es darin.

61 von 99 Bewohnern positiv auf Coronavirus getestet

A resident waves from her window at Residence Herron, a senior's long-term care facility, following a number of deaths since the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in the suburb of Dorval in Montreal Quebec, Canada, April 13, 2020.  REUTERS/Chr
Eine Bewohnerin winkt durch ein Fenster des privaten Seniorenheims in der kanadischen Provinz Quebec
© REUTERS, CHRISTINNE MUSCHI, CM/ELO

Von 99 verbleibenden Herron-Bewohnern seien 61 positiv auf das Coronavirus getestet worden, erklärte die Gesundheitsbehörde CIUSSS am Sonntag auf Anfrage. Einige Testergebnisse stünden noch aus. Québec ist in absoluten Zahlen die Provinz, die in Kanada am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen ist. Nach offiziellen Angaben gibt es dort mehr als 17.500 nachgewiesene Infektionen, 805 Menschen starben in der Folge.

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